36/2026 | Marcel Heinecke | Bevölkerung

Zu- und Fortzüge 2024

Betrachtung der innerdeutschen Wanderungsverflechtungen über die Landesgrenze

19. März 2026

Lesezeit ca. 6 Minuten
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Marcel Heinecke
Soziologe (M.A.)
Referat „Bevölkerung, Zensus“
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In Rheinland-Pfalz bestehen insbesondere mit den unmittelbar angrenzenden Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg ausgeprägte Wanderungsverflechtungen. Dies ist vor allem auf die geografische Lage sowie wirtschaftliche und infrastrukturelle Verbindungen zurückzuführen. Wanderungsbewegungen werden außerdem von unterschiedlichen Arbeitsmarktbedingungen, Wohnraumpreisen und Lebenshaltungskosten beeinflusst, sowie von Bildungsangeboten und Hochschulstandorten.

Wanderungsgewinn niedriger als in den Vorjahren

Im Jahr 2024 zogen 149.500 Menschen nach Rheinland-Pfalz zu. Dies waren 5,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Im Jahresverlauf verließen zudem 127.400 Menschen das Bundesland. Im Saldo ergibt sich demnach ein Wanderungsgewinn von 22.100 Personen, der deutlich geringer ausfällt als in den beiden vorangegangenen Jahren (2023: 32.900; 2022: 70.500). 

Wanderungen¹ über die Landesgrenze

1.000

1 Einschließlich Wanderungsbewegungen mit dem Ausland.

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Im überwiegenden Teil der kreisfreien Städte und Landkreise (mit Ausnahme der kreisfreien Städte Kaiserslautern und Landau in der Pfalz sowie der Landkreise Kusel, Germersheim und dem Eifelkreis Bitburg-Prüm) zogen in Summe mehr Menschen über die Bundes- und Landesgrenze zu als fort. Das stärkste Zuwanderungsplus der 24 Landkreise verzeichneten der Rhein-Hunsrück-Kreis (+1.400 Personen) und der Landkreis Ahrweiler (+1.300 Personen). Die höchsten wanderungsbedingten Bevölkerungszuwächse unter den kreisfreien Städten registrierten die Universitätsstadt Trier (+7.000 Personen) und die kreisfreie Stadt Speyer (+3.000 Personen).

Verwaltungsbezirk

Zuzüge 

Fortzüge 

Wanderungssaldo

Kreisfreie Städte   
Frankenthal (Pfalz)1.7741.67599
Kaiserslautern4.6534.700-47
Koblenz4.6884.041647
Landau i. d. Pfalz1.5951.640-45
Ludwigshafen a. Rh.9.6668.2261.440
Mainz11.89711.461436
Neustadt a. d. Weinstr.1.5691.313256
Pirmasens1.5321.295237
Speyer4.9471.9053.042
Trier11.3404.3247.016
Worms4.2203.783437
Zweibrücken1.2911.184107
Landkreise   
Ahrweiler5.2603.9391.321
Altenkirchen (Ww.)4.6874.347340
Alzey-Worms3.6523.538114
Bad Dürkheim3.2152.853362
Bad Kreuznach4.0373.674363
Bernkastel-Wittlich3.7903.466324
Birkenfeld2.7242.414310
Cochem-Zell1.8961.491405
Donnersbergkreis1.6531.540113
Eifelkreis Bitburg-Prüm3.2983.508-210
Germersheim4.3394.469-130
Kaiserslautern3.0162.737279
Kusel1.9562.396-440
Mainz-Bingen6.2455.682563
Mayen-Koblenz5.5774.824753
Neuwied6.1205.351769
Rhein-Hunsrück-Kreis4.0032.6121.391
Rhein-Lahn-Kreis4.1563.649507
Rhein-Pfalz-Kreis3.9893.92762
Südliche Weinstraße3.1092.909200
Südwestpfalz1.7701.606164
Trier-Saarburg4.4033.954449
Vulkaneifel1.8191.614205
Westerwaldkreis5.6585.357301
Rheinland-Pfalz149.544127.40422.140
Kreisfreie Städte59.17245.54713.625
Landkreise90.37281.8578.515

1 Einschließlich Wanderungsbewegungen mit dem Ausland.
Die Tabelle steht zum Excel-Download am Ende des Beitrags zur Verfügung.

Leichtes Zuwanderungsplus bei innerdeutschen Wanderungen

Aus anderen Bundesländern Deutschlands kamen im Jahr 2024 rund 66.200 Personen deutscher und nicht deutscher Nationalität nach Rheinland-Pfalz. Das waren 2,9 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Im gleichen Zeitraum verlegten rund 65.100 Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer deutscher und nicht deutscher Nationalität ihren alleinigen bzw. Hauptwohnsitz in eines der anderen Bundesländer. Das waren 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Daraus resultiert – bei im Vergleich zum Vorjahr insgesamt niedrigerem Wanderungsvolumen – ein leichtes innerdeutsches Zuwanderungsplus von rund 1.100 Personen. Wie schon in den Vorjahren wanderten aus den angrenzenden Ländern Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg mehr Personen zu als dorthin fortzogen. Lediglich gegenüber dem Saarland war die Wanderungsbilanz negativ. In Summe ergibt sich mit den direkten Nachbarn (einschließlich Saarland) ein Wanderungsplus in Höhe von mehr als 2.500 Personen.

Das größte binnendeutsche Wanderungsvolumen verzeichnete Rheinland-Pfalz mit dem angrenzenden Flächenland Nordrhein-Westfalen: Rund 15.900 Menschen zogen 2024 dorthin fort, während im selben Zeitraum fast 17.000 Menschen über die nordrhein-westfälische Landesgrenze nach Rheinland-Pfalz kamen. Im Saldo ergibt sich allein durch dieses Wanderungsgeschehen ein Plus von rund 1.100 Menschen. 

Das zweitgrößte Wanderungsvolumen zeigte sich mit dem Flächenland Hessen. Mehr als 14.400 Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer wanderten nach Hessen ab, zugleich verlegten rund 15.400 Hessinnen und Hessen ihren alleinigen bzw. Hauptwohnsitz nach Rheinland-Pfalz. Im Saldo liegt das Zuwanderungsplus hier bei rund 1.000 Personen. 

Innerdeutsche Wanderungen über die Landesgrenze 2024

Anzahl

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Negative Wanderungssalden ergeben sich nicht nur mit dem angrenzenden Saarland (knapp –300 Personen), sondern insbesondere auch mit dem Freistaat Bayern: Dorthin verlegten 2024 rund 5.700 Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer ihren alleinigen oder Hauptwohnsitz, wohingegen lediglich rund 5.000 Bayerinnen und Bayern in Rheinland-Pfalz Fuß fassten, wodurch sich der größte Wanderungsverlust von 700 Personen ergibt. Einen mit dem Saarland vergleichbaren negativen Wanderungssaldo weist Rheinland-Pfalz mit dem Stadtstaat Berlin auf (–300 Personen), gefolgt von Schleswig-Holstein und Hamburg (jeweils rund –200 Personen).

Deutliche regionale Unterschiede

Bei detaillierter Betrachtung der innerdeutschen Wanderungsverflechtungen der kreisfreien Städte und Landkreise in Rheinland-Pfalz mit den übrigen Bundesländern zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. In der Summe verzeichneten die zwölf kreisfreien Städte im Jahr 2024 einen negativen Saldo von fast 1.700 Wanderungen. Bei den 24 Landkreisen überstieg dagegen insgesamt die Zahl der Zuzüge die der Fortzüge; sie gewannen  im Saldo knapp 2.800 Einwohnerinnen und Einwohner hinzu. 

Innerdeutsche Wanderungen in den Landkreisen über die Landesgrenze 2024

Anzahl

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Insgesamt verzeichnete der Landkreis Ahrweiler 2024 den mit Abstand größten Zuwanderungszuwachs (+1.000 Personen). Rund 3.500 Menschen verlegten ihren alleinigen bzw. Hauptwohnsitz aus einem anderen Bundesland hierher, wohingegen 2.400 das Kreisgebiet in ein anderes Bundesland verließen. Erwartungsgemäß konzentrierten sich die Wanderungen in der Ahrregion auf das Nachbarbundesland Nordrhein-Westfalen – der hieraus resultierende positive Saldo (+800) macht absolut den größten Teil des Zuwanderungsgewinns für den Landkreis Ahrweiler aus. Ursächlich für das vergleichsweise hohe Wanderungsplus dürfte sein, dass im Zuge der Aufbauaktivitäten nach der Flutkatastrophe des Jahres 2021 in den Ortsgemeinden zerstörter Wohnraum wiederhergestellt und neu geschaffen wurde, der einen Wiederzuzug infolge der Zerstörungen abgewanderter Personen ermöglicht, darüber hinaus aber auch für „Neubürgerinnen und Neubürger“ attraktive Wohnumfelder bietet.