35/2026 | Moritz Hohlstein | Tourismus

Tourismus in Rheinland-Pfalz

Übernachtungen seit 2014 gestiegen – Zuwachs liegt unter dem Bundesdurchschnitt

09. März 2026

Lesezeit ca. 13 Minuten
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Moritz Hohlstein
Volkswirt (M.Sc.)
Referat „Analysen Wirtschaft“
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Der Tourismus ist für einige Regionen in Rheinland-Pfalz von großer Bedeutung. Von einer hohen touristischen Nachfrage profitiert nicht nur der Beherbergungssektor, sondern auch die Gastronomie, der Einzelhandel und die Kulturschaffenden im Land. Wie sich der Tourismus in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Jahren entwickelt hat, zeigt nun eine neue und umfassende Analyse des Statistischen Landesamtes, die neben den Gäste- und Übernachtungszahlen sowie der Zahl der Betriebe und angebotenen Gästebetten auch Informationen zum Umsatz und zu den Beschäftigten der im Land ansässigen Beherbergungsunternehmen enthält. Dieser Beitrag präsentiert ausgewählte Ergebnisse dieser Analyse und konzentriert sich dabei auf den Vergleich der touristischen Nachfrage mit Deutschland und den anderen Bundesländern.

Rheinland-Pfalz bei Übernachtungsintensität im Mittelfeld

Im Jahr 2024 gab es in Rheinland-Pfalz 3.125 geöffnete Beherbergungsbetriebe mit zehn oder mehr Schlafgelegenheiten bzw. Camping- und Reisemobilplätze mit zehn oder mehr Stellplätzen, die zusammen 222.300 Gästebetten anboten. Diese Beherbergungsbetriebe begrüßten 2024 insgesamt 8,7 Millionen Gäste, die 22,3 Millionen Übernachtungen buchten.

Um Rheinland-Pfalz mit den anderen Bundesländern zu vergleichen, wird die Übernachtungsintensität verwendet, die die Zahl der Übernachtungen zur Einwohnerzahl eines Landes in Beziehung setzt. Diese Kennzahl ist ein Indikator für die relative wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus in einem Land bzw. einer Region. Rheinland-Pfalz befindet sich unter den 16 Bundesländern im Mittelfeld und belegte 2024 mit 5.415 Übernachtungen je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner Rang neun. Den Spitzenplatz nahm das vergleichsweise dünn besiedelte Mecklenburg-Vorpommern mit 20.876 Übernachtungen je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner ein. Mit großem Abstand an zweiter Stelle stand Schleswig-Holstein. Hinter den beiden Küstenländern folgten die Stadtstaaten Hamburg und Berlin sowie Bayern, deren Übernachtungsintensitäten ebenfalls über dem Bundesdurchschnitt von 5.939 Übernachtungen je 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner lagen. Das dicht besiedelte Nordrhein-Westfalen wies unter allen Bundesländern die niedrigste Übernachtungsintensität auf, was auf eine verhältnismäßig geringe Bedeutung des Tourismus in diesem Bundesland hindeutet. 

Übernachtungsintensität 2024

Übernachtungen je 1.000 der Bevölkerung

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Die Analyse „Der Tourismus in Rheinland-Pfalz – Strukturen, längerfristige Trends und aktuelle Entwicklung“ bietet Informationen zur touristischen Nachfrage (Gesamtentwicklung der Gästeankünfte und Übernachtungen, Wohnsitz der Gäste, Betriebsarten) und zum touristischen Angebot (geöffnete Betriebe, angebotene Schlafgelegenheiten) aus der Beherbergungsstatistik. Zur Analyse gehört außerdem eine Auswertung des Unternehmensregisters, die die in Rheinland-Pfalz ansässigen Beherbergungsunternehmen, ihren Umsatz und ihre Beschäftigten umfasst. Es werden sowohl Zahlen für Rheinland-Pfalz insgesamt als auch für die zehn Tourismusregionen präsentiert. Die Statistische Analyse, die neben einer ausführlichen textlichen Kommentierung mehr als 80 Grafiken und Karten enthält, umfasst 154 Seiten. Die Statistische Analyse „Der Tourismus in Rheinland-Pfalz – Strukturen, längerfristige Trends und aktuelle Entwicklung“ kann als PDF-Datei kostenfrei heruntergeladen werden.

Übernachtungszahlen steigen unterdurchschnittlich

Die Tourismuswirtschaft gehört zu den Branchen, die von der Coronapandemie und den zu ihrer Eindämmung verhängten Maßnahmen besonders stark betroffen waren. In der längerfristigen Entwicklung der Gäste- und Übernachtungszahlen zeigt sich der Ausbruch der Pandemie daher als markante Zäsur. In den Jahren vor der Coronapandemie gab es in Rheinland-Pfalz ein moderates, kontinuierliches Wachstum der Gäste- und Übernachtungszahlen, die 2019 Höchststände erreichten. In diesem Jahr besuchten 9,1 Millionen Gäste das Land und sorgten für 23 Millionen Übernachtungen. Mit dem Ausbruch der Pandemie, die Deutschland im Frühjahr 2020 erreichte, sanken die Gäste- und Übernachtungszahlen in einem bisher nicht gekannten Ausmaß. Die Gästeankünfte schrumpften 2020 um 40 Prozent und die Übernachtungen um 33 Prozent. Die Erholung von diesem Einbruch war 2024 noch nicht abgeschlossen: Die Gästeankünfte lagen um 4,9 Prozent und die Übernachtungen um 2,9 Prozent unter den Rekordergebnissen von 2019.

In Deutschland schwankten die Gäste- und Übernachtungszahlen in den vergangenen Jahren stärker als in Rheinland-Pfalz. Vor der Pandemie wuchsen sie dynamischer als hierzulande, allerdings war der Einbruch im ersten Coronajahr mit –49 Prozent bei den Gästeankünften und –39 Prozent bei den Übernachtungen noch massiver. Anschließend entwickelte sich der Tourismus in Deutschland wieder besser als in Rheinland-Pfalz. Bei den Übernachtungen wurde das Vor-Corona-Niveau von 2019 bereits 2024 überschritten, und die Gästezahlen waren nur noch etwas geringer als vor der Pandemie.

Übernachtungen

Messzahl: 2014=100

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

In längerfristiger Perspektive stieg die touristische Nachfrage in Rheinland-Pfalz trotz des Einbruchs während der Coronapandemie. Die Gästeankünfte nahmen von 2014 bis 2024 um 5,6 Prozent und die Übernachtungen um 5,7 Prozent zu. Allerdings wies der Tourismus hierzulande im Vergleich zu den anderen Bundesländern nur eine geringere Wachstumsdynamik auf. Bei der Entwicklung der Übernachtungen belegte das Land vor Thüringen den vorletzten Platz im Länderranking; bei den Gästezahlen war Rheinland-Pfalz Schlusslicht. An der Spitze stand Schleswig-Holstein mit +39 Prozent bei den Gästeankünften und +45 Prozent bei den Übernachtungen. Aber auch die Stadtstaaten Hamburg und Bremen verbuchten deutlich gestiegene Gäste- und Übernachtungszahlen.

Übernachtungen 2024

Veränderung zu 2014 in %

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Naturkatastrophe hemmt Wachstumsdynamik

Der Tourismus in Rheinland-Pfalz musste im Betrachtungszeitraum zusätzlich zur Pandemie noch einen zweiten gravierenden Einschnitt verkraften. Die Naturkatastrophe, die das nördliche Rheinland-Pfalz im Sommer 2021 traf, verwüstete insbesondere das Ahrtal, das zuvor ein beliebtes Reiseziel im Land gewesen war. Obwohl sich der Tourismus zuletzt etwas erholte, lag die touristische Nachfrage in der Region Ahr 2024 noch deutlich unter dem Niveau von 2014. Die Region verzeichnete 42 Prozent weniger Gästeankünfte und Übernachtungen als am Beginn des Betrachtungszeitraums.

Allerdings erklärt die Naturkatastrophe die unterdurchschnittliche Wachstumsdynamik in Rheinland-Pfalz nur zum Teil. Rechnet man die Region Ahr heraus, stiegen die Gästeankünfte in den übrigen neun Tourismusregionen von 2014 bis 2024 um 8,7 Prozent und die Übernachtungen um 8,9 Prozent. Bundesweit nahmen die Gästeankünfte um 18 Prozent und die Übernachtungen um 17 Prozent zu. Ohne die Region Ahr stünde Rheinland-Pfalz im Ranking der 16 Bundesländer bei der Entwicklung der Gästeankünfte auf Rang 14 statt auf dem letzten Platz und bei den Übernachtungen auf Rang 13 statt auf dem vorletzten Platz.

Neben der Tourismusregion Ahr mussten drei weitere Regionen von 2014 bis 2024 einen Rückgang der Übernachtungszahlen hinnehmen. Die Einbußen in den Tourismusregionen Lahntal, Naheland und Hunsrück waren jedoch deutlich geringer als in der Region Ahr. Die übrigen sechs Regionen konnten ihr Übernachtungsaufkommen steigern. Einen regelrechten Boom gab es in der Tourismusregion Rheinhessen. Dort erhöhten sich die Übernachtungen von 2014 bis 2024 um ein Drittel. In der Pfalz, im Westerwald und im Mittelrheintal stiegen die Übernachtungszahlen ebenfalls mit zweistelliger Rate. In der Region Mosel-Saar, in der die meisten Übernachtungen stattfinden, stieg das Übernachtungsaufkommen im Betrachtungszeitraum um 6,7 Prozent und in der Eifel um 3,2 Prozent.

Übernachtungen 2024 nach Tourismusregionen

Veränderung zu 2014 in %

1 Ab dem Berichtsjahr 2024 neuer Zuschnitt der Tourismusregion. Angaben vor 2024 wurden auf Basis von Gemeindeergebnissen zurückgerechnet.

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Eine Tourismusregion ist eine nicht administrative Raumeinheit. Die Abgrenzung orientiert sich insbesondere an naturräumlichen Gegebenheiten, berücksichtigt aber meist auch Zuständigkeitsbereiche der regionalen Fremdenverkehrsverbände. Seit dem 1. Januar 2024 erfolgt die Darstellung der Beherbergungsstatistik für die zehn Tourismusregionen Ahr, Eifel, Hunsrück, Lahntal, Mittelrheintal, Mosel-Saar, Naheland, Pfalz, Rheinhessen und Westerwald. Die Gebiete sind gemeindegrenzenscharf umrissen und werden in ihrer Zusammensetzung nach Verwaltungsbezirken abgegrenzt.

Eigens für die neue Statistische Analyse „Der Tourismus in Rheinland-Pfalz – Strukturen, längerfristige Trends und aktuelle Entwicklung“ wurden die Gäste- und Übernachtungszahlen der 2024 neu zugeschnittenen Tourismusregionen Lahntal, Mittelrheintal und Westerwald bis 2014 zurückgerechnet, sodass längerfristige Vergleiche für alle Tourismusregionen möglich sind.

Die Statistische Analyse enthält unter anderem ein Kapitel mit Karten, das regionale Unterschiede innerhalb von Rheinland-Pfalz aufzeigt. Dargestellt werden Ergebnisse auf Ebene der Tourismusregionen und der Verbandsgemeinden.

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Interessante Informationen zum Tourismus in Rheinland-Pfalz finden Sie auch in unserem MATS-Datenangebot: Die interaktiven Dashboards und Tabellen zeigen die Entwicklung im Land sowie in den Tourismusregionen.