Beliebtes Reiseziel für Gäste aus dem Ausland
Rheinland-Pfalz ist traditionell ein bei Besucherinnen und Besuchern aus dem Ausland beliebtes Reiseziel. Im Jahr 2024 trugen Gäste mit Wohnsitz im Ausland 21 Prozent – also mehr als ein Fünftel – zum gesamten Übernachtungsaufkommen bei. Im Bundesdurchschnitt waren Reisende aus dem Ausland nur für 17 Prozent der Übernachtungen verantwortlich. Rheinland-Pfalz belegte im Ländervergleich hinter den Stadtstaaten Berlin und Hamburg sowie Hessen beim Übernachtungsanteil von Gästen aus dem Ausland den vierten Platz. Besonders beliebt bei Gästen aus dem Inland sind hingegen die Küstenländer an Nord- und Ostsee.
Die Gäste aus dem Ausland bleiben in Rheinland-Pfalz länger als in allen anderen Bundesländern. Mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 2,8 Tagen lag Rheinland-Pfalz 2024 im Ländervergleich an der Spitze (Deutschland: 2,3 Tage). Ein wesentlicher Grund für die lange Aufenthaltsdauer der Gäste aus dem Ausland ist das Reiseverhalten der Besucherinnen und Besucher aus den Niederlanden, die in Rheinland-Pfalz unter den Gästen mit Wohnsitz im Ausland die mit Abstand größte Gruppe sind. Die Gäste aus den Niederlanden verweilten 2024 mit 3,4 Tagen besonders lange im Land. Die überdurchschnittliche Aufenthaltsdauer und die bevorzugte Wahl von Betriebsarten wie Ferienzentren und Campingplätzen lässt darauf schließen, dass viele Besucherinnen und Besucher aus den Niederlanden ihren Erholungsurlaub in Rheinland-Pfalz verbringen.
Die Gäste mit Wohnsitz in den Niederlanden haben sowohl in Rheinland-Pfalz als auch in Deutschland den größten Anteil am gesamten Übernachtungsaufkommen der Reisenden aus dem Ausland. Im Land war ihr Anteil 2024 mit 46 Prozent jedoch mehr als dreimal so hoch wie im Bundesdurchschnitt (14 Prozent). In Rheinland-Pfalz folgten die Besucherinnen und Besucher aus Belgien mit großem Abstand an zweiter Stelle. Sie steuerten zwölf Prozent zu den Übernachtungen der Gäste aus dem Ausland bei, nahmen bundesweit mit einem Anteil von 3,6 Prozent aber nur den neunten Rang ein. Stattdessen belegten im Bundesdurchschnitt die Reisenden aus den USA 2024 mit einem Übernachtungsanteil von 8,5 Prozent den zweiten Platz, die in Rheinland-Pfalz mit einem Anteil von 8,2 Prozent auf Rang drei standen. An vierter Stelle folgten hierzulande wie in Deutschland die Besucherinnen und Besucher aus dem Vereinigten Königreich; ihr Anteil am Übernachtungsaufkommen von Gästen aus dem Ausland war im Land mit 3,8 Prozent allerdings wesentlich geringer als im Bundesdurchschnitt (6,2 Prozent). Insgesamt ist die Gästestruktur in Rheinland-Pfalz durch eine größere Homogenität gekennzeichnet als in Deutschland. Auf die zehn wichtigsten Herkunftsländer entfielen im Land 85 Prozent und im Bund 63 Prozent der Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland. Dadurch ist die Entwicklung der touristischen Nachfrage in Rheinland-Pfalz stärker abhängig von einzelnen Gästegruppen.
Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland 2024 nach Wohnsitz der Gäste
Anteil in %
© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
Nachfrage von Gästen aus dem Ausland sinkt
Neben den Auswirkungen der Naturkatastrophe ist der Rückgang der Nachfrage von Gästen aus dem Ausland ein weiterer Grund für die unterdurchschnittliche Wachstumsdynamik des Tourismus in Rheinland-Pfalz. Im Jahr 2024 wurden 9,1 Prozent weniger Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland gezählt als 2014. Damit war Rheinland-Pfalz eines von nur drei Bundesländern, in denen die Übernachtungszahlen von Besucherinnen und Besuchern aus dem Ausland zurückgingen. Im Ländervergleich belegte Rheinland-Pfalz hinter Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern den letzten Platz. Im Bundesdurchschnitt lagen die Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland 2024 um 13 Prozent über dem Niveau von 2014. Die stärksten Zuwächse erzielten Hamburg, Brandenburg und Bayern.
Dass das Übernachtungsaufkommen von Gästen aus dem Ausland in Rheinland-Pfalz 2024 deutlich geringer war als 2014, ist darauf zurückzuführen, dass die Übernachtungszahlen gleich mehrerer wichtiger Besuchergruppen rückläufig waren. Bei drei der vier wichtigsten Gästegruppen stand ein Minus zu Buche. Die Nachfrage von Reisenden aus dem Vereinigten Königreich reduzierte sich um 41 Prozent bzw. 127.100 Übernachtungen. Mengenmäßig fallen die Rückgänge bei den Gästen aus den Niederlanden und Belgien noch mehr ins Gewicht. Das Übernachtungsvolumen der Besucherinnen und Besucher aus den Niederlanden schrumpfte um elf Prozent bzw. 267.000 Übernachtungen. Reisende aus Belgien buchten 28 Prozent bzw. 234.500 Übernachtungen weniger als 2014. Einen kräftigen Anstieg gab es hingegen bei den Übernachtungen von Gästen aus den USA; im Jahr 2024 wurden 22 Prozent bzw. 70.200 Übernachtungen mehr gezählt als 2014.
Während Rheinland-Pfalz bei den wichtigsten Gästegruppen teils deutliche Einbußen hinnehmen musste, blieb das Interesse an Deutschland als Reiseziel weiterhin hoch. Die Zahl der Übernachtungen, die Gäste aus dem Vereinigten Königreich in Deutschland buchten, lag 2024 etwas über dem Niveau von 2014 (+2,5 Prozent). Das Übernachtungsaufkommen der Reisenden aus den Niederlanden und aus Belgien wuchs ebenfalls (+8,2 Prozent bzw. +3,1 Prozent). Zudem war der Anstieg der Übernachtungen von Gästen aus den USA bundesweit noch deutlich höher als in Rheinland-Pfalz (+40 Prozent).
Die Übernachtungen von Gästen aus dem Inland legten in Rheinland-Pfalz von 2014 bis 2024 um elf Prozent zu. Allerdings verlief die Entwicklung auch hier ungünstiger als im Bundesdurchschnitt; in Deutschland stieg das Übernachtungsaufkommen der Gäste mit Wohnsitz im Inland um 18 Prozent. Im Ländervergleich belegte Rheinland-Pfalz Platz zwölf.
Campingplätze und Ferienzentren haben überdurchschnittliche Bedeutung
In Rheinland-Pfalz wie in Deutschland sind Hotels gemessen am Übernachtungsaufkommen die mit Abstand wichtigste Betriebsart. Im Jahr 2024 entfielen auf die Hotels im Land 38 Prozent und bundesweit 39 Prozent des Übernachtungsvolumens. Eine Besonderheit des Tourismus in Rheinland-Pfalz ist der große Stellenwert der Camping- und Reisemobilplätze. Sie vereinten 14 Prozent der Übernachtungen auf sich und stehen damit unter den Betriebsarten an zweiter Stelle. Für den Tourismus in Deutschland spielt das Campingsegment mit einem Übernachtungsanteil von 8,6 Prozent eine weit geringere Rolle und belegte 2024 nur Rang fünf unter den Betriebsarten. Eine weitere Besonderheit des rheinland-pfälzischen Tourismus ist die große Bedeutung der Ferienzentren. Sie lagen 2024 unter den Betriebsarten auf dem dritten Platz und hatten gemessen an den Übernachtungen einen Marktanteil von 9,5 Prozent. Bundesweit standen sie unter den Betriebsarten mit einem Übernachtungsanteil von 2,5 Prozent an vorletzter Stelle.
Auf Rang vier folgten in Rheinland-Pfalz die Hotels garnis mit 9,4 Prozent Übernachtungsanteil. In Deutschland sind die Hotels garnis wesentlich bedeutender als hierzulande; bundesweit waren sie 2024 mit einem Übernachtungsanteil von 16 Prozent die zweitwichtigste Betriebsart. Platz fünf belegen in Rheinland-Pfalz die Vorsorge- und Rehakliniken; ihr Übernachtungsanteil lag 2024 mit 8,3 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt (9,4 Prozent). Ferienhäuser und -wohnungen, die für den Tourismus in Deutschland eine große Bedeutung haben, haben in Rheinland-Pfalz nur einen vergleichsweise geringen Marktanteil.
Übernachtungen 2024 nach Betriebsarten
Anteil in %
© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
Das Campingsegment verzeichnete in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. Im Land stieg das Übernachtungsvolumen der Camping- und Reisemobilplätze von 2014 bis 2024 um 31 Prozent. In Deutschland fiel der Zuwachs allerdings noch deutlich stärker aus (+54 Prozent). Auch die übrigen zwei der drei wichtigsten Betriebsarten in Rheinland-Pfalz entwickelten sich schlechter als im Bundesdurchschnitt und trugen somit dazu bei, dass die touristische Nachfrage hierzulande nur unterdurchschnittlich wuchs: Während das Übernachtungsaufkommen der Hotels in Rheinland-Pfalz um drei Prozent sank, nahm es in Deutschland um 13 Prozent zu. Die Übernachtungen in den rheinland-pfälzischen Ferienzentren erhöhten sich von 2014 bis 2024 um 2,7 Prozent; bundesweit betrug der Anstieg 22 Prozent.
Besser als in Deutschland entwickelten sich in Rheinland-Pfalz die Übernachtungszahlen der Hotels garnis. Mit +92 Prozent hat sich die Nachfrage hierzulande fast verdoppelt. Im Bundesdurchschnitt legte das Übernachtungsaufkommen nur um 35 Prozent zu.
Fazit
Trotz der erheblichen Einschnitte durch die Coronapandemie lagen die Gästeankünfte und die Übernachtungen in Rheinland-Pfalz 2024 über dem Niveau von 2014, auch wenn die Höchststände von 2019 noch nicht wieder erreicht wurden. In den meisten anderen Bundesländern nahm die touristische Nachfrage aber stärker zu als hierzulande. Zwar wurde die Entwicklung in Rheinland-Pfalz zusätzlich zur Pandemie durch die Naturkatastrophe im Sommer 2021 gehemmt, doch auch wenn die besonders betroffene Region Ahr herausgerechnet wird, weist die rheinland-pfälzische Tourismusbranche eine unterdurchschnittliche Wachstumsdynamik auf – eine Entwicklung, die sich bereits vor Beginn der Pandemie und vor der Naturkatastrophe abzeichnete.
Rheinland-Pfalz ist traditionell bei Besucherinnen und Besuchern aus dem Ausland ein beliebtes Reiseziel. Der Anteil von Gästen aus dem Ausland ist hierzulande überdurchschnittlich hoch. Daher fallen die rückläufigen Übernachtungszahlen von Reisenden aus dem Ausland umso stärker ins Gewicht. Die Einbußen sind nicht auf das veränderte Reiseverhalten der Gäste aus einem einzelnen Land zurückzuführen; bei mehreren wichtigen Herkunftsländern lag das Übernachtungsaufkommen 2024 unter dem Niveau von 2014. Der Vergleich mit der bundesweiten Entwicklung zeigt, dass das Interesse an Deutschland als Reiseziel weiterhin hoch ist, während Rheinland-Pfalz gegenüber anderen Bundesländern an Bedeutung eingebüßt hat.
Der Campingtourismus wuchs kräftig, doch konnte Rheinland-Pfalz weniger stark von diesem Boom profitieren als andere Länder. Auch die Ferienzentren, die hierzulande wie die Camping- und Reisemobilplätze eine überdurchschnittliche Bedeutung haben, wiesen eine deutlich geringere Wachstumsdynamik auf als im Bundesdurchschnitt. Zudem verzeichneten die Hotels in Rheinland-Pfalz 2024 weniger Übernachtungen als 2014, während die Übernachtungszahlen der wichtigsten Betriebsart bundesweit stiegen. Der überdurchschnittliche Zuwachs bei den Hotels garnis im Land konnte diesen Rückgang nicht kompensieren.