Wirtschaftliche Abhängigkeit von Exporten in das Vereinigte Königreich ist relativ gering
Wenn eine Branche einen großen Teil ihrer Exporte in ein bestimmtes Land liefert, kann dies auf eine wirtschaftliche Abhängigkeit hindeuten. Die Abhängigkeit der rheinland-pfälzischen Wirtschaft von Ausfuhren in das Vereinigte Königreich ist nicht besonders ausgeprägt. Nur in einer Güterabteilung, bei „Ton-, Musik- und Filmträgern“, ging mehr als ein Zehntel der rheinland-pfälzischen Exporte in das Vereinigte Königreich. Der Wert dieser Ausfuhren lag 2024 unter einer Million Euro. Von den aus Rheinland-Pfalz exportierten „Leder und Lederwaren“ wurden 8,6 Prozent in das Vereinigte Königreich geliefert. Hier ist der Warenwert deutlich größer; 2024 betrug er 102 Millionen Euro. Der Großteil davon waren Schuhe. Bei Gummi- und Kunststoffwaren belief sich der Anteil der Exporte, die in das Vereinigte Königreich gingen, auf 7,7 Prozent. Der Wert dieser Ausfuhren bezifferte sich auf 260 Millionen Euro.
In den übrigen Güterabteilungen, die für die rheinland-pfälzische Exportwirtschaft von großer Bedeutung sind, ist der Ausfuhranteil des Vereinigten Königreichs wesentlich geringer. Von den Maschinen sowie Kraftwagen und Kraftwagenteilen, die 2024 aus Rheinland-Pfalz in alle Welt gingen, wurden 4,7 bzw. 4,6 Prozent in das Vereinigte Königreich geliefert. Bei Chemischen Erzeugnissen war der Anteil mit 3,4 Prozent noch niedriger.
Massive Einbußen beim Export von Kraftwagen und Kraftwagenteilen
Der Wert der Waren, die aus Rheinland-Pfalz in das Vereinigte Königreich exportiert wurden, schrumpfte von 2014 bis 2024 um eine Milliarde Euro. Zugleich veränderte sich die Zusammensetzung der Exporte. Hierbei spielten zwar auch methodische Gründe eine Rolle, weil das Güterverzeichnis der Produktionsstatistiken zwischenzeitlich aktualisiert wurde; die Grundtendenz bleibt davon aber unberührt. In sechs der zehn Güterabteilungen, die 2024 die größten Anteile an den rheinland-pfälzischen Ausfuhren in das Vereinigte Königreich hatten, sank der Wert der Exporte im Betrachtungszeitraum deutlich. Besonders gravierende Einbußen gab es bei der Ausfuhr von Kraftwagen und Kraftwagenteilen. Ihr Exportwert fiel 2024 um 550 Millionen Euro niedriger aus als 2014, was einem Rückgang um 61 Prozent entspricht. Im Jahr 2014 waren Kraftwagen und Kraftwagenteile mit einem Ausfuhranteil von 27 Prozent noch das wichtigste rheinland-pfälzische Exportgut im Handel mit dem Vereinigten Königreich. Dafür könnten nicht nur Auswirkungen des „Brexit“, sondern auch geänderte Lieferketten aufgrund von Veränderungen in den Konzernstrukturen der großen Automobilhersteller verantwortlich gewesen sein. Die Ausfuhr von Metallen nahm ebenfalls stark ab; sie war 2024 nur noch halb so groß wie 2014. Auch die Exporte von Papier und Pappe sowie von Pharmazeutischen Erzeugnissen schrumpften überdurchschnittlich (–40 bzw. –38 Prozent).
Auf der anderen Seite stiegen die Exporte von Leder und Lederwaren in das Vereinigte Königreich kräftig. Sie lagen 2024 um 177 Prozent über dem Niveau von 2014. Dadurch rückten Leder und Lederwaren in der Rangliste der wichtigsten Exportgüter von Platz 17 auf den sechsten Platz vor. Unter den zehn Güterabteilungen, die für die Ausfuhr in das Vereinigte Königreich am bedeutendsten sind, verzeichneten auch Nahrungs- und Futtermittel (+8,7 Prozent), Metallerzeugnisse (+6,6 Prozent) sowie Gummi- und Kunststoffwaren (+5,7 Prozent) Zuwächse.
Auch bundesweit veränderte sich die Bedeutung der Güterabteilungen für den Export in das Vereinigte Königreich, allerdings verlief die Entwicklung in zahlreichen Güterabteilungen günstiger als bei den rheinland-pfälzischen Ausfuhren in das Vereinigte Königreich. Die deutschen Exporte von Kraftwagen und Kraftwagenteilen in das Vereinigte Königreich lagen 2024 um 16 Prozent unter dem Niveau von 2014. Die Ausfuhr von „Datenverarbeitungsgeräten, elektrischen und optischen Erzeugnissen“ (-22 Prozent) sowie bei Pharmazeutischen Erzeugnissen (-36 Prozent) nahm ebenfalls deutlich ab. Bei einigen anderen wichtigen Exportgütern gab es aber kräftige Zuwächse. Besonders stark stiegen die Ausfuhren von Metallen, die sich von 2014 bis 2024 fast verdreifachten (+182 Prozent). Der Wert der aus Deutschland in das Vereinigte Königreich gelieferten Maschinen erhöhte sich ebenfalls spürbar (+25 Prozent). Auch der Absatz von Elektrischen Ausrüstungen, Nahrungs- und Futtermitteln sowie „Sonstigen Fahrzeugen“ stieg mit zweistelliger Rate.
Importe aus dem Vereinigten Königreich sinken stärker als Exporte
Aus dem Vereinigten Königreich wurden 2024 Waren im Wert von 814 Millionen Euro nach Rheinland-Pfalz geliefert. Der Wert der Einfuhren ist deutlich niedriger als der Wert der Ausfuhren.[1] Die Importe sanken in den vergangenen Jahren noch stärker als die Exporte. Im Jahr 2024 lag der Wert der aus dem Vereinigten Königreich eingeführten Waren um 39 Prozent unter dem Niveau von 2014. Die gesamten Einfuhren nach Rheinland-Pfalz legten im gleichen Zeitraum um 36 Prozent zu. Die Importe aus dem Vereinigten Königreich nach Deutschland schrumpften mit –6,1 Prozent nicht so stark wie die Lieferungen nach Rheinland-Pfalz, aber auch bundesweit verlief die Entwicklung im Handel mit dem Vereinigten Königreich wesentlich ungünstiger als bei den Importen insgesamt, die im gleichen Zeitraum um 44 Prozent stiegen.
Die Bedeutung des Vereinigten Königreichs als rheinland-pfälzischer Handelspartner ist auf der Einfuhrseite geringer als bei den Exporten. Unter den Lieferländern belegte das Land 2024 mit einem Anteil von 1,9 Prozent an den gesamten Importen Rang 14. Den Spitzenplatz nahm China ein (Anteil: 9,2 Prozent) vor den Niederlanden (8,1 Prozent), Frankreich (7,9 Prozent) und Belgien (7,8 Prozent). Bundesweit ist der Stellenwert des Vereinigten Königreichs als Handelspartner im Importbereich etwas größer; in der Rangliste der Lieferländer lag das Vereinigte Königreich 2024 auf Platz zwölf.
Importe nach Rheinland-Pfalz und Deutschland insgesamt und Importe aus dem Vereinigten Königreich
Messzahl: 2014=100
© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
Chemische Erzeugnisse stehen unter den Importgütern an erster Stelle
Im Warenaustausch mit dem Vereinigten Königreich stehen Chemische Erzeugnisse unter den Importgütern an erster Stelle. Sie machten 2024 rund 18 Prozent der rheinland-pfälzischen Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich aus. Es folgten „Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse“ mit 13 Prozent Importanteil. Rang drei belegten Maschinen mit einem Anteil von zwölf Prozent. An vierter Stelle standen Gummi- und Kunststoffwaren, die 5,5 Prozent zu den Importen aus dem Vereinigten Königreich beitrugen. Dicht dahinter auf Platz fünf rangierten „Sonstige Fahrzeuge“ mit ebenfalls 5,5 Prozent Importanteil; dabei handelte es sich überwiegend um „Luft- und Raumfahrzeuge“.
Importe nach Rheinland-Pfalz aus dem Vereinigten Königreich 2024 nach Güterabteilungen
Anteil in %
© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
Bei den gesamten Einfuhren nach Rheinland-Pfalz standen Chemische Erzeugnisse ebenfalls an der Spitze. Mit 15 Prozent war ihr Anteil an den gesamten rheinland-pfälzischen Importen aber etwas geringer als der Anteil an den Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich. Deutliche Unterschiede gibt es bei der Bedeutung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen für den rheinland-pfälzischen Außenhandel insgesamt und für den Handel mit dem Vereinigten Königreich. Unter den wichtigsten rheinland-pfälzischen Importgütern standen Kraftwagen und Kraftwagenteile 2024 mit einem Anteil von zehn Prozent auf Platz zwei, während sie bei den Lieferungen aus dem Vereinigten Königreich mit einem Anteil von drei Prozent nur Platz elf belegten. Umgekehrt ist es bei „Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen“, deren Anteil an den gesamten Einfuhren nach Rheinland-Pfalz 2024 mit 6,6 Prozent nur etwa halb so groß war wie ihr Anteil an den Importen aus dem Vereinigten Königreich.
Die Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich nach Deutschland weisen eine ganz andere Struktur auf als die Importe nach Rheinland-Pfalz. Ein wesentlicher Unterschied ist die deutlich größere Bedeutung „Sonstiger Fahrzeuge“, die mit einem Anteil von 14 Prozent an den deutschen Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich das wichtigste Importgut sind. An zweiter Stelle steht bundesweit die Güterabteilung „Erdöl und Erdgas“, die bei den Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich nach Rheinland-Pfalz aufgrund fehlender Seehäfen keine Rolle spielt. Erdöl und Erdgas hatten 2024 einen Anteil von 13 Prozent an den deutschen Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich. An dritter Stelle standen Kraftwagen und Kraftwagenteile, die zwölf Prozent der Importe ausmachten.