Einfuhr Pharmazeutischer Erzeugnisse sinkt stark
Der Wert der Waren, die 2024 aus dem Vereinigten Königreich nach Rheinland-Pfalz importiert wurden, lag 2024 um 522 Millionen Euro unter dem Niveau von 2014. Dazu trugen fast alle Güterabteilungen bei. Zwar ist die zeitliche Vergleichbarkeit bei einzelnen Güterabteilungen durch die Aktualisierung des Güterverzeichnisses für die Produktionsstatistiken etwas eingeschränkt, die grundsätzliche Entwicklungstendenz bleibt davon aber unberührt. Besonders massiv waren die Einbußen bei den Importen Pharmazeutischer Erzeugnisse aus dem Vereinigten Königreich, die sich von 2014 bis 2024 – allerdings ausgehend von einem außergewöhnlich hohen Niveau im Jahr 2014 – um 96 Prozent bzw. 287 Millionen Euro verringerten. Waren Pharmaprodukte 2014 das wichtigste Importgut aus dem Vereinigten Königreich, belegten sie 2024 unter den Güterabteilungen nur noch Rang 15. Die Einfuhr von Kraftwagen und Kraftwagenteilen brach ebenfalls ein. Ihr Importwert schrumpfte um 78 Prozent bzw. 88 Millionen Euro. Dadurch fielen Kraftwagen und Kraftwagenteile in der Rangliste der wichtigsten Importgüter auf den zwölften Platz zurück; 2014 lagen sie auf Rang vier. Der Wert der aus dem Vereinigten Königreich importierten Chemischen Erzeugnisse sank um 117 Millionen Euro, was einem Rückgang um 44 Prozent entspricht. Da der Rückgang schwächer ausfiel als bei Pharmazeutischen Erzeugnissen, rückten sie in der Rangliste der wichtigsten Importgüter vom zweiten auf den ersten Platz vor.
Entgegen dem Trend waren starke Steigerungen bei den Importen „Sonstiger Fahrzeuge“ zu verzeichnen. Im Jahr 2024 lag der Wert der aus dem Vereinigten Königreich nach Rheinland-Pfalz gelieferten „Sonstigen Fahrzeuge“ um 1 641 Prozent über dem Niveau von 2014, was einem Anstieg um 42 Millionen Euro entspricht. Dadurch rückten „Sonstige Fahrzeuge“ in der Rangliste der wichtigsten Importgüter auf den sechsten Platz vor; 2014 lagen sie auf Rang 20. Auch die Einfuhr von Nahrungs- und Futtermitteln, die 2024 den siebten Platz unter den Importgütern belegten, erhöhte sich deutlich um 59 Prozent bzw. 15 Millionen Euro.
Bundesweit gab es ebenfalls in zahlreichen Güterabteilungen Einbußen bei den Einfuhren aus dem Vereinigten Königreich. So ging der Wert der nach Deutschland importierten Chemischen Erzeugnisse von 2014 bis 2024 um rund eine Milliarde Euro zurück, was einem Minus von 22 Prozent entspricht. Um 931 Millionen Euro nahmen die Einfuhren von Metallen ab; prozentual fiel der Rückgang mit –38 Prozent noch stärker aus als bei den Chemieprodukten. Ein kräftiger Zuwachs war wie in Rheinland-Pfalz beim Import „Sonstiger Fahrzeuge“ aus dem Vereinigten Königreich zu verzeichnen. Ihr Wert lag 2024 um ein Drittel bzw. 1,3 Milliarden Euro über dem Niveau von 2014. Bei der Einfuhr von Pharmazeutischen Erzeugnissen aus dem Vereinigten Königreich, die in Rheinland-Pfalz stark abnahm, gab es in Deutschland kräftige Zuwächse. Der Wert der nach Deutschland gelieferten Pharmaprodukte legte von 2014 bis 2024 um 51 Prozent zu, was einer Zunahme um 871 Millionen Euro entspricht.
Fazit
Das Vereinigte Königreich hat als Handelspartner für die rheinland-pfälzische Wirtschaft in den vergangenen Jahren massiv an Bedeutung eingebüßt. Wie stark der „Brexit“ die Handelsbeziehungen zwischen Rheinland-Pfalz und dem Vereinigten Königreich beeinträchtigt hat, geht aus der Außenhandelsstatistik allerdings nicht eindeutig hervor. Die Warenströme sind das Resultat einer Vielzahl unternehmerischer Entscheidungen, die neben Wechselkursen sowie Zöllen und anderen Handelshemmnissen zahlreiche weitere Faktoren berücksichtigen. Dass sich aber sowohl die Exporte aus Rheinland-Pfalz in das Vereinigte Königreich als auch die rheinland-pfälzischen Importe aus dem Vereinigten Königreich seit der Ankündigung des „Brexit“ 2016 wesentlich schlechter entwickelt haben als der Außenhandel insgesamt, legt einen Zusammenhang nahe. Der Vergleich mit Deutschland zeigt außerdem, dass diese Entwicklung keine rheinland-pfälzische Besonderheit ist.
Ob die weltweiten Handelskonflikte der Gegenwart zu einer Trendumkehr führen werden und es zu einer erneuten Intensivierung des Warenaustauschs mit dem Vereinigten Königreich kommen wird, bleibt abzuwarten. Im Jahr 2025 hat sich der Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich bisher günstig entwickelt: Während die rheinland-pfälzischen Aus- und Einfuhren von Januar bis August 2025 insgesamt nur 0,6 bzw. ein Prozent höher ausfielen als im Vorjahreszeitraum, stiegen die Exporte in das Vereinigte Königreich um 9,7 Prozent und die Importe legten um 7,7 Prozent zu.
Gegenstand der Außenhandelsstatistik ist der grenzüberschreitende Warenverkehr Deutschlands mit dem Ausland, d. h. alle körperlich ein- und ausgehenden Waren sowie elektrischer Strom, werden erfasst und nachgewiesen. Dienstleistungen aller Art sind grundsätzlich nicht Gegenstand der Außenhandelsstatistik. Eine Ausnahme bilden Veredelungsgeschäfte im Zusammenhang mit grenzüberschreitenden Warenbewegungen.
Warenverkehre innerhalb der Europäischen Union werden von den Handel treibenden Unternehmen an das Statistische Bundesamt gemeldet. Unternehmen, deren innergemeinschaftliche Warenverkehre je Verkehrsrichtung (Eingang bzw. Versendung) im Vorjahr bzw. im laufenden Jahr den Wert von 500.000 Euro bei der Versendung und 800.000 Euro bei den Eingängen nicht übersteigen, sind von der Auskunftspflicht befreit. Der Umfang des innergemeinschaftlichen Handels deutscher Unternehmen unterhalb der Anmeldeschwelle wird hinzugeschätzt. Beim Handel mit Handelspartnern außerhalb der Europäischen Union werden die bei den Zollstellen anfallenden Zollmeldungen ausgewertet.