40/2026 | Diane Dammers | Volkswirtschaft, Außenhandel, Preise, Arbeit

Die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz 2025

Lage der Wirtschaft bleibt angespannt – Exporte steigen trotz handels- und geopolitischer Konflikte

27. April 2026

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Die Zahl der Baugenehmigungen ist ein wichtiger Frühindikator zur Einschätzung der Baukonjunktur, da sie Rückschlüsse auf die zukünftige Bauaktivität zulässt. Im Jahr 2025 wurden 9.600 Baugenehmigungen für neue Bauten sowie für Baumaßnahmen an bestehenden Gebäuden erteilt. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Genehmigungen kräftig um 8,7 Prozent (Deutschland: +3,4 Prozent). Allerdings erfolgte der Zuwachs ausgehend von einem außergewöhnlich niedrigen Niveau. Im Jahr 2024 hatten die Baugenehmigungen einen historischen Tiefstand erreicht. Trotz des Anstiegs gegenüber dem Vorjahr lag die Zahl der Baugenehmigungen 2025 um 20 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2025 (Deutschland: –28 Prozent). Dies dürfte unter anderem auf die im mittelfristigen Vergleich weiterhin hohen Bauzinsen und Baukosten zurückzuführen sein.

Umsatzsteigerungen bei den unternehmensnahen Dienstleistungen

Die Dienstleistungsbereiche, die überwiegend unternehmensnahe Services anbieten, verzeichneten 2025 reale Umsatzzuwächse. Das größte Plus erzielte der Bereich „Information und Kommunikation“, zu dem das Verlagswesen, der Rundfunk, Telekommunikations- und IT-Dienstleistungen zählen. Hier stiegen die preisbereinigten Umsätze kräftig um 8,2 Prozent (Deutschland: +4,5 Prozent). Am geringsten fiel die reale Umsatzsteigerung im Bereich „Verkehr und Lagerei” aus, zu dem die Beförderung von Personen und Gütern zu Land, zu Wasser und in der Luft, der Betrieb von Verkehrsinfrastruktur sowie Post-, Kurier- und Expressdienste gehören (+1 Prozent; Deutschland: +1,3 Prozent).

Preisbereinigter Umsatz in den unternehmensnahen Dienstleistungsbereichen 2025

Veränderung zum Vorjahr in %

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Der Einzelhandel konnte seine Umsätze 2025 steigern. In jeweiligen Preisen erzielten die Einzelhandelsunternehmen in Rheinland-Pfalz 2,5 Prozent mehr Umsatz als 2024 (Deutschland: +3,8 Prozent). Auch real – also um Preisveränderungen bereinigt – setzte der Einzelhandel 2025 mehr um als im Vorjahr: In Rheinland-Pfalz stiegen die Erlöse um ein Prozent und in Deutschland um 2,7 Prozent. 

Im Großhandel lagen die Umsätze 2025 ebenfalls über dem Niveau des Vorjahres. Sie nahmen in Rheinland-Pfalz nominal um 3,3 Prozent zu (Deutschland: +2,7 Prozent). Auch real gab es einen Zuwachs (+2 Prozent; Deutschland: +2,1 Prozent).

Der Kraftfahrzeughandel, zu dem auch die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen zählt, setzte 2025 weniger um als im Jahr zuvor. Nominal gingen die Umsätze um 0,8 Prozent zurück (Deutschland: +1,6 Prozent). Real sanken die Erlöse deutlich um drei Prozent (Deutschland: –0,9 Prozent). Zum einen könnte die Konjunkturschwäche gewerbliche Kundinnen und Kunden davon abgehalten haben, in einen neuen Fuhrpark zu investieren. Zum anderen dürfte die unsichere wirtschaftliche Lage die Bereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten gesenkt haben, größere Anschaffungen wie etwa die eines Kraftfahrzeugs zu tätigen.

Das rheinland-pfälzische Gastgewerbe erwirtschaftete 2025 zwar nominal zwei Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr (Deutschland: +1,4 Prozent). Dieser Anstieg ist allerdings ausschließlich auf Preissteigerungen zurückzuführen. Um Preisveränderungen bereinigt sanken die Umsätze um 1,6 Prozent (Deutschland: –2,1 Prozent). Zugleich lagen die realen Erlöse weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2019, dem letzten Jahr vor der Coronapandemie (–18 Prozent; Deutschland: –15 Prozent).

Aus- und Einfuhren steigen trotz handels- und geopolitischer Konflikte

Trotz der handels- und geopolitischen Konflikte, die den Welthandel derzeit belasten, stieg 2025 der Wert der rheinland-pfälzischen Aus- und Einfuhren. Im Jahr 2025 wurden Waren im Wert von 57,2 Milliarden Euro aus Rheinland-Pfalz ins Ausland exportiert, was einem Anstieg um eine Milliarde Euro bzw. 1,8 Prozent gegenüber 2024 entspricht (Deutschland: +0,9 Prozent). Sowohl die rheinland-pfälzischen als auch die deutschen Ausfuhren entwickelten sich schwächer als der Welthandel. Das Welthandelsvolumen wuchs 2025 um 4,4 Prozent. Beim Exportvolumen verzeichneten die Schwellenländer, allen voran China, stärkere prozentuale Zuwächse als die entwickelten Volkswirtschaften. 

Die wichtigsten Absatzmärkte für die rheinland-pfälzischen Unternehmen sind die Länder in Europa und vor allem in der Europäischen Union (EU). Im Jahr 2025 wurden Waren im Wert von 40,4 Milliarden Euro aus Rheinland-Pfalz in Länder auf dem europäischen Kontinent exportiert; das sind 71 Prozent der gesamten Ausfuhren. Gegenüber dem Vorjahr nahmen die Exporte in europäische Länder um 4,1 Prozent zu, während die Warenlieferungen auf alle anderen Kontinente zurückgingen.

Die Rangliste der zehn bedeutendsten rheinland-pfälzischen Handelspartner im Exportbereich blieb 2025 gegenüber dem Vorjahr unverändert. Bei den Exporten in sechs der zehn wichtigsten Abnehmerländer gab es Zuwächse. Frankreich, der traditionell wichtigste Handelspartner, nahm weiterhin den ersten Platz unter den Zielländern ein. Etwa ein Zehntel der rheinland-pfälzischen Exporte bzw. Waren im Wert von 5,7 Milliarden Euro gingen in das Nachbarland. Die Ausfuhren nach Frankreich lagen 2025 etwas unter dem Vorjahresniveau (–0,6 Prozent). In die Vereinigten Staaten von Amerika wurden 8,4 Prozent der rheinland-pfälzischen Ausfuhren geliefert; das sind Waren im Wert von 4,8 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies einen Rückgang um 6,2 Prozent. Die Exporte in die USA sanken sogar unter das Niveau von 2015 (–3,8 Prozent), während die gesamten rheinland-pfälzischen Ausfuhren von 2015 bis 2025 um elf Prozent zulegten. Trotzdem rangieren die Vereinigten Staaten unter den wichtigsten Handelspartnern weiterhin auf Platz zwei. Den dritten Rang unter den Handelspartnern im Exportbereich nehmen die Niederlande ein; 2025 gelangten 7,2 Prozent der rheinland-pfälzischen Ausfuhren dorthin. Nach kräftigen Einbußen im Vorjahr stieg der Wert der in die Niederlande gelieferten Waren 2025 um 9,7 Prozent. Die Lieferungen nach Italien, das mit einem Exportanteil von 5,9 Prozent Rang vier unter den Handelspartnern belegt, lagen 2025 um 4,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. An fünfter Stelle folgt Polen mit einem Anteil von 5,6 Prozent an den rheinland-pfälzischen Ausfuhren. Die Exporte nach Polen legten um 4,5 Prozent zu. 

Exporte 2025 nach Ländern

Anteil in %

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Exporte 2025 nach ausgewählten Ländern (Top 10)

Veränderung zum Vorjahr in %

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Im Jahr 2025 wurden Waren im Wert von 44,5 Milliarden Euro nach Rheinland-Pfalz importiert, was ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet (Deutschland: +4,3 Prozent). Ein großer Teil – mehr als zwei Drittel – der Importe kamen aus europäischen Ländern. Die Einfuhren aus Europa legten 2025 zwar um 1,8 Prozent zu, noch kräftiger stiegen aber die Importe aus Amerika und Asien (+5,3 bzw. 2,8 Prozent).

Unverändert auf Rang eins unter den Handelspartnern im Importbereich stand die Volksrepublik China, die zum fünften Mal in Folge den Spitzenplatz unter den Lieferländern einnahm. Aus China wurden Waren im Wert von 4,2 Milliarden Euro importiert, was einem Anteil von 9,3 Prozent an den gesamten Einfuhren entspricht. Zum Anstieg der Importe aus der Volksrepublik um 3,6 Prozent trug unter anderem die Einfuhr von Maschinen bei, die um 3,5 Prozent zulegte. Maschinen sind mit einem Anteil von 15 Prozent das wichtigste Importgut aus China. Frankreich löste 2025 die Niederlande als zweitwichtigster Handelspartner im Importbereich ab. Aus Frankreich wurden Waren im Wert von 3,5 Milliarden Euro nach Rheinland-Pfalz geliefert; das waren 7,8 Prozent der gesamten Einfuhren. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Importe aus dem Nachbarland geringfügig (+0,3 Prozent). Die Niederlande fielen auf Rang drei zurück, da die Einfuhren 2025 um 5,5 Prozent abnahmen. Die Vereinigten Staaten von Amerika überholten Belgien und rückten 2025 auf Platz vier unter den Handelspartnern im Importbereich vor. Die Einfuhren aus den USA legten deutlich um 6,1 Prozent zu. Kräftige Zuwächse waren z. B. beim Import von Maschinen (+56 Prozent) sowie Datenverarbeitungsgeräten (+16 Prozent) zu verzeichnen. Hierfür könnte die Wechselkursentwicklung förderlich gewesen sein, die Importe aus dem Dollarraum in die Eurozone günstiger machte.

Inflation erstmals seit 2020 unter der Zwei-Prozent-Marke

Die Teuerung ließ 2025 deutlich nach. Der Verbraucherpreisindex, dessen Veränderung gegenüber dem Vorjahr als Maß für die Inflation verwendet wird, erhöhte sich im Jahresdurchschnitt um 1,9 Prozent (Deutschland: +2,2 Prozent). Damit lag die Inflationsrate in Rheinland-Pfalz erstmals seit 2020 unter der für die Geldpolitik im Euroraum wichtigen Zwei-Prozent-Marke. Im Verlauf des Jahres 2025 ließ die Inflation deutlich nach: Betrug die Rate im Januar noch +2,7 Prozent, erreichte sie im Dezember 2025 ihren niedrigsten Stand im Jahresverlauf: Die Verbraucherpreise waren im Dezember 1,6 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Einen schwächeren Anstieg gab es zuletzt im Februar 2021.

Verbraucherpreise 2025

Veränderung zum Vorjahr in %

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Um längerfristige Trends bei der Preisentwicklung unabhängig von den schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreisen zu erkennen, wird die Veränderung des „Gesamtindex ohne Nahrungsmittel und Energie“ im Vergleich zum Vorjahr betrachtet; sie wird auch als Kerninflationsrate bezeichnet. Die Kerninflationsrate lag 2025 im Jahresdurchschnitt bei +2,8 Prozent (Deutschland: ebenfalls +2,8 Prozent). Sie war somit deutlich höher als die allgemeine Teuerungsrate, was mit den überdurchschnittlichen Preissteigerungen bei Dienstleistungen zusammenhängt. Während sich Waren, zu denen unter anderem auch Nahrungsmittel und Energie gehören, im Jahresdurchschnitt nur leicht um 0,6 Prozent verteuerten, stiegen die Preise für Dienstleistungen um 3,5 Prozent. Dazu leisteten beispielsweise kräftige Preiserhöhungen bei Dienstleistungen sozialer Einrichtungen oder Kfz-Versicherungen einen Beitrag. Wie die allgemeine Teuerungsrate ging aber auch die Kerninflationsrate im Jahresverlauf deutlich zurück. Von +3,6 Prozent im Januar verringerte sie sich bis Dezember auf +2,2 Prozent.

Die Energiepreise, die 2022 nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine den Inflationsschub ausgelöst hatten, wirkten 2025 wie bereits im Vorjahr dämpfend auf die Teuerung. Energie war 2025 im Jahresdurchschnitt 3,8 Prozent günstiger als 2024. Im längerfristigen Vergleich sind die Energiepreise trotz dieses Rückgangs allerdings weiterhin hoch. Sie lagen 2025 um 26 Prozent über dem Jahresdurchschnitt von 2021, dem letzten Jahr vor dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine. Die Preise für Nahrungsmittel, die 2022 und 2023 ein wesentlicher Inflationstreiber waren, erhöhten sich 2025 nur moderat. Mit +1,4 Prozent blieb die Steigerung unter der allgemeinen Teuerungsrate. Aufgrund der starken Preiserhöhungen 2022 und 2023 lagen die Nahrungsmittelpreise 2025 jedoch um 30 Prozent über dem Niveau von 2021.