34/2026 | Simone Emmerichs, Marina Metz | Bevölkerung, Arbeit, Bildung, Soziales, Über uns

Frauen in Rheinland-Pfalz

Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2026

02. März 2026

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Insbesondere für die Gruppe der Alleinerziehenden sind Betreuungsangebote für (Klein-)Kinder entscheidend für die Teilhabe am Berufsleben. Neben der Vereinbarkeit von Beruf und Familie spielen Kindertagesstätten und Tagespflegepersonen aber auch für die Bildung und Erziehung der Kinder eine wichtige Rolle. Die Betreuungsquote von Kindern im klassischen Kindergartenalter von 3- bis unter 6 Jahre liegt in Rheinland-Pfalz mittlerweile bei 95 Prozent.[5] Auch das Angebot für unter 3-Jährige wurde in den vergangenen Jahrzehnten ausgebaut, stagnierte zuletzt allerdings: Im Jahr 2025 wurden knapp 33 Prozent der Kinder in dieser Altersgruppe außerhalb des Elternhauses betreut, 2024 lag der Anteil auf gleichem Niveau. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre ist die Betreuungsquote der unter 3-Jährigen lediglich um zwei Prozentpunkte von 31 auf 33 Prozent gestiegen, obwohl bereits seit 2013 in Deutschland ein Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr besteht.[6]

Mehr Elternzeit, weniger Elterngeld

Es sind vor allem die Mütter, die ihre berufliche Arbeit unterbrechen oder einschränken, um ihr Kind nach der Geburt zu betreuen: Rund 78 Prozent der 82.100 Elterngeldbeziehenden[7] 2024 sind weiblich, der Anteil der Väter ist mit 22 Prozent vergleichsweise gering. Frauen nahmen durchschnittlich 15,7 Monate in Anspruch. Bei Männern sind es nur 3,8 Monate, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (3,7 Monate). Jeder Elternteil hat einen Anspruch auf bis zu drei Jahre Elternzeit zur Betreuung und Erziehung seines Kindes. Insgesamt gibt es 36 Monate je Kind für beide Elternteile. Das Arbeitsverhältnis bleibt während der gesamten Elternzeit bestehen. Ist sie abgelaufen, besteht ein Anspruch auf Rückkehr zur früheren Arbeitszeit. 

77,8 Prozent der Elterngeldbeziehenden sind Frauen.

Der durchschnittliche Elterngeldanspruch der Mütter ist 2024 deutlich niedriger als der der Väter: Mütter beziehen durchschnittlich 769 Euro monatlich, das durchschnittliche Elterngeld von Vätern beträgt 1.349 Euro – eine Differenz von 580 Euro. Elterngeld ist eine staatliche Sozialleistung für Eltern, die ihr Kind nach der Geburt selbst betreuen und deshalb ihre berufliche Arbeit unterbrechen oder einschränken. Es soll fehlendes Einkommen ausgleichen, die wirtschaftliche Existenz der Familien sichern und somit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Die Höhe des Elterngeldanspruchs wird auf Grundlage des durchschnittlichen Einkommens des jeweiligen Elternteils im Jahr vor der Geburt berechnet.

Höhere Bildungsabschlüsse

Frauen erreichen im Durchschnitt höhere Bildungsabschlüsse als Männer: Rund 38 Prozent der jungen Frauen schließen die allgemeinbildenden Schulen mit der Allgemeinen Hochschulreife ab, bei den jungen Männern sind es nur 29 Prozent. Demgegenüber verlassen statistisch gesehen gut zehn von 100 Schülern, aber nur knapp sieben von 100 Schülerinnen die allgemeinbildende Schule ohne Berufsreife. Den qualifizierten Sekundarabschluss I erlangen ähnlich viele Schülerinnen wie Schüler (42 Prozent bzw. 40 Prozent). Der Anteil der Schulabschlüsse mit Berufsreife ist dagegen bei Schülerinnen mit knapp 14 Prozent deutlich geringer als bei Schülern (20 Prozent).

Abschlüsse der Schulentlassenen

Anteil in %

1 Einschließlich Fachhochschulreife schulischer Teil.  – 2  Einschließlich Förderschulzeugnisse.

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Frauen dominieren zahlenmäßig den Lehrerberuf in Rheinland-Pfalz. Fast drei Viertel der Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen (74 Prozent) ist weiblich.  Allerdings bestehen je nach Schulform enorme Unterschiede. So unterrichten an Grundschulen zu fast 90 Prozent und an Förderschulen zu 83 Prozent Lehrerinnen. Ausgeglichener ist das Geschlechterverhältnis im Kollegium an den weiterführenden Schulen. An Realschulen Plus liegt der Anteil weiblicher Lehrkräfte bei 66 Prozent, an Integrierten Gesamtschulen bei 62 Prozent und an Gymnasien bei 61 Prozent. Den geringsten Frauenanteil haben die Kollegien an Berufsbildenden Schulen. Hier ist das Geschlechterverhältnis mit einem Frauenanteil von 53 Prozent beinahe ausgeglichen.[8]

Frauen entscheiden sich in ihrer Berufslaufbahn oft für Berufe im Gesundheits- und Bildungssektor sowie für Tätigkeiten in der Verwaltung. Im Jahr 2024 war der beliebteste Ausbildungsberuf der jungen Rheinland-Pfälzerinnen Erzieherin, gefolgt von Pflegefachfrau und Kauffrau für Büromanagement. Junge Männer ließen sich dagegen am häufigsten zum Kraftfahrzeugmechatroniker (Personenkraftwagentechnik), Anlagenmechaniker (Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik) oder Elektroniker (Energie- und Gebäudetechnik) ausbilden. Die Top 3 der beliebtesten Ausbildungsberufe sind dabei seit Jahren unverändert.[9]

Entscheiden sich die rheinland-pfälzischen Frauen für ein Studium, wählen sie am häufigsten Germanistik/Deutsch, Psychologie oder Rechtswissenschaften. Männer studieren dagegen am häufigsten Betriebswirtschaftslehre oder Informatik. Auf Platz drei folgen – wie bei den Frauen – Rechtswissenschaften. Von den 109.760 Studierenden in Rheinland-Pfalz im Wintersemester 2024/25 waren 53 Prozent Frauen und 47 Prozent Männer. Bei den bestandenen Prüfungen im Prüfungsjahr 2024 hatten Studentinnen einen etwas höheren Anteil (55 Prozent) als Studenten (45 Prozent). Dabei waren Frauen zum Zeitpunkt ihres Erstabschlusses mit 25,7 durchschnittlich etwas jünger als Männer (26,2 Jahre). Frauen beenden ihr Studium seltener als Männer mit einem Fachhochschulabschluss (34 bzw. 44 Prozent), jedoch häufiger mit einer Lehramtsprüfung (20 bzw. zehn Prozent). Nur 29 Prozent der Lehrstühle an Hochschulen waren 2024 von hauptberuflichen Professorinnen besetzt. Allerdings ist hier seit Jahren ein langsamer, aber stetiger Aufwärtstrend erkennbar, fünf Jahre zuvor waren es nur 24 Prozent. Bei den Juniorprofessuren liegt der Anteil bei 56,5 Prozent (2019: 45 Prozent).

Abschlüsse der Absolventinnen und Absolventen

Anteil in %

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Jede zweite Frau arbeitet Teilzeit

Im Jahr 2024 gab es rund 2,03 Millionen Erwerbstätige im Alter von 15 bis 65 Jahren in Rheinland-Pfalz. Rund 47 Prozent davon sind weiblich. Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 65-jährigen Frauen beträgt 74 Prozent; das heißt, knapp drei Viertel aller Frauen in dieser Altersgruppe gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Bei den Männern sind es 81 Prozent. Frauen sind dabei häufiger teilzeitbeschäftigt: Mehr als jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit (52 Prozent), bei den Männern ist es nur gut jeder Zehnte (elf Prozent).[10] Frauen sind außerdem häufiger ausschließlich geringfügig bzw. kurzfristig beschäftigt: Rund 17 Prozent aller weiblichen Beschäftigten arbeiten in einem solchen Beschäftigungsverhältnis, bei den männlichen Beschäftigten sind es nur elf Prozent.[11]

Frauen sind in Führungspositionen deutlich seltener vertreten als Männer: Der Frauenanteil in Führungspositionen im Alter von 15 bis 65 Jahren beträgt 30 Prozent. Trotz der günstigen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Berufsleben – höhere Bildungsabschlüsse, kürzere Studienzeit – sind nur zwei Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Führungspositionen. Bei den Männern ist der Anteil mehr als doppelt so hoch (fünf Prozent). Frauen wagten zudem seltener den Schritt in die Selbstständigkeit als Männer: Nur rund ein Drittel der 32.700 Unternehmensgründungen (33 Prozent) im Jahr 2025 erfolgte von Frauen. Die Selbstständigkeit diente bei Gründerinnen seltener dem Haupterwerb als bei Gründern (41 Prozent bzw. 55 Prozent).

Frauen verdienen weniger als Männer

Frauen in Rheinland-Pfalz verdienten 2025 durchschnittlich 22,02 Euro pro Stunde (ohne Sonderzahlungen). Männer erzielten einen Bruttostundenverdienst von 25,63 Euro. Der Bruttostundenverdienst von Frauen war damit um 3,61 Euro bzw. 14 Prozent niedriger. Dieser prozentuale Verdienstunterschied wird als unbereinigter Gender-Pay-Gap bezeichnet. Der Indikator ist definiert als Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten männlicher und weiblicher Beschäftigter im Verhältnis zum durchschnittlichen Bruttostundenverdienst männlicher Beschäftigter. Er berücksichtigt keine strukturellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern wie die Berufswahl, den Ausbildungsabschluss und den Beschäftigungsumfang. Der um diese strukturellen Unterschiede bereinigte Gender-Pay-Gap lag bei sechs Prozent. Demnach verdienten Arbeitnehmerinnen in Rheinland-Pfalz auch bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie pro Stunde durchschnittlich sechs Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.[12]

Der Unterschied zeigt sich auch bei Betrachtung des durchschnittlichen Bruttomonatsverdiensts vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach Anforderungsniveau. Der Verdienst der Frauen liegt zwischen zehn Prozent (Fachkraft) und 13 Prozent (Expertin) unter dem Verdienst der männlichen Arbeitnehmer der jeweiligen Anforderungsstufe.