Wichtig für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit
Investitionen sind ein wichtiger Faktor für Wirtschaftswachstum und internationale Wettbewerbsfähigkeit, da sie das Produktivkapital einer Volkswirtschaft erhalten, modernisieren und vergrößern. Auch zur Sicherung der Beschäftigung sind Investitionen relevant. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels werden sie an Bedeutung gewinnen. Um den Rückgang des Arbeitskräftepotenzials zu kompensieren, muss durch Investitionen die Produktivität erhöht werden. Die Investitionsausgaben der Unternehmen schwanken stark im Zeitablauf und sind deshalb Ursache für Konjunkturschwankungen. Gleichzeitig reagieren Investitionen auf konjunkturelle Entwicklungen. Diese beeinflussen die erwartete interne Renditerate und damit die Rentabilität von Unternehmensinvestitionen.
Bereits seit einigen Jahren ist in Deutschland von einer Investitionsschwäche die Rede. Die Europäische Kommission verweist zum Beispiel im Zusammenhang mit dem hohen Exportüberschuss auf zu geringe Investitionstätigkeiten sowohl des Staates als auch der Unternehmen.[1] Die Expertenkommission „Stärkung von Investitionen in Deutschland“ im Auftrag des Bundesministers für Wirtschaft und Energie kam bereits 2015 zu dem Ergebnis, dass es in Deutschland eine „signifikante Investitionsschwäche“ gibt.[2] Ähnliche Aussagen kamen von verschiedenen Instituten.[3] Der Bundestag hat im Sommer mehrere Gesetze verabschiedet, die die Investitionen in Deutschland stärken sollen, darunter das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität.
In den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen sind die Investitionen Teil der Verwendungsrechnung des Bruttoinlandsprodukts, die auf die letzte Verwendung der Waren und Dienstleistungen abstellt. Die in diesem Beitrag vorgestellten Ergebnisse sind abgestimmt auf den Berechnungsstand des Statistischen Bundesamtes vom Februar 2025.
Die Bruttoanlageinvestitionen umfassen den Erwerb von dauerhaften und reproduzierbaren Produktionsmitteln sowie selbst erstellte Anlagen und größere Wert steigernde Reparaturen. Es werden auch gewisse Werterhöhungen an nicht produzierten Vermögensgütern berücksichtigt, insbesondere erhebliche Verbesserungen an Grund und Boden (z. B. Trockenlegung von Marschland). Als dauerhaft gelten diejenigen Produktionsmittel, deren Nutzungsdauer mehr als ein Jahr beträgt. Die Bruttoanlageinvestitionen setzen sich aus dem Erwerb neuer Anlagen und dem Saldo aus Käufen und Verkäufen von gebrauchten Anlagen zusammen. Da ein vollständiger Nachweis der Transaktionen mit gebrauchten Anlagen zwischen den investierenden Wirtschaftsbereichen mangels statistischer Erhebungen nicht möglich ist, können die Anlageinvestitionen nach Wirtschaftsbereichen nur für neue Anlagen dargestellt werden.
Die neuen Anlagen werden untergliedert in neue Ausrüstungen, sonstige Anlagen und neue Bauten. In der Regionalrechnung werden die neuen Ausrüstungen mit den sonstigen Anlagen zusammengefasst.
Zu den Ausrüstungsinvestitionen gehören Maschinen und Geräte einschließlich militärischer Waffensysteme, Betriebs- und Geschäftsausstattungen und Fahrzeuge sowie ähnliche Anlagegüter, die nicht fest mit Bauten verbunden sind.
Zu den sonstigen Anlagen zählen die Investitionen in geistiges Eigentum (Forschung und Entwicklung, Computersoftware und Datenbanken, Urheberrechte, Suchbohrungen) sowie Nutztiere und Nutzpflanzungen.
Bei den Bauten werden neben Wohn- und Nichtwohngebäuden auch sonstige Bauten (Straßen, Brücken, Flugplätze, Kanäle, Sportplätze u. Ä.) und die mit Bauten fest verbundenen Einrichtungen (Aufzüge, Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen, gärtnerische Anlagen und Umzäunungen) berücksichtigt.
Die Nettoanlageinvestitionen ergeben sich durch Subtraktion der Abschreibungen von den Bruttoanlageinvestitionen bzw. von den neuen Anlagen nach Wirtschaftsbereichen. Sie stellen somit die über den Ersatz des Kapitalverzehrs hinausgehenden Investitionen dar. Im Gegensatz zu den Bruttoanlageinvestitionen werden die Nettoanlageinvestitionen nur in jeweiligen Preisen nachgewiesen.
Die Abschreibungen sind ein Maß für die Wertminderung des Anlagevermögens durch normalen Verschleiß und wirtschaftliches Veralten. Die Abschreibungen sind nicht direkt messbar, sondern werden im Rahmen der Anlagevermögensrechnung mit bundeseinheitlichen Abschreibungssätzen, d. h. gleichen Nutzungsdauern und Abschreibungsverteilungen, modellhaft ermittelt.
Bruttoanlageinvestitionen in Höhe von 40,1 Milliarden Euro
Die rheinland-pfälzischen Bruttoanlageinvestitionen beliefen sich 2022 auf insgesamt 40,1 Milliarden Euro. Damit hatte Rheinland-Pfalz einen Anteil von 4,7 Prozent an allen in Deutschland getätigten Investitionen. In neue Anlagen wurden 41,2 Milliarden Euro investiert. Der Verkauf von gebrauchten Anlagen überwog – wie über den gesamten betrachteten Zeitraum und in allen Ländern – den Kauf gebrauchter Anlagen, sodass sich der Saldo der gebrauchten Anlagen auf –1,1 Milliarden belief.
Im Vergleich zu 2000 nahmen die Investitionen in Rheinland-Pfalz preisbereinigt um 16 Prozent und in Deutschland um 19 Prozent zu. Allerdings ist die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen sehr volatil. Darin spiegelt sich wider, dass insbesondere die Unternehmensinvestitionen sehr stark von unsicheren Erwartungen über die Zukunft abhängen. Erwartungen werden gegebenenfalls sehr schnell an veränderte Rahmenbedingungen angepasst. Zwischen 2000 und 2022 schwankten die Veränderungsraten in Rheinland-Pfalz zwischen –9,4 Prozent (2003) und +8,6 Prozent (2021). Je nach Basisjahr fällt daher sowohl die langfristige Veränderung als auch der Vergleich mit Deutschland sehr unterschiedlich aus. In neun der 22 Jahre war die jährliche Veränderungsrate höher als im Bundesdurchschnitt.
Bruttoanlageinvestitionen (preisbereinigt, verkettet)
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© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
Bis 2005 entwickelten sich die preisbereinigten Investitionsausgaben in Rheinland-Pfalz deutlich schlechter als im Bundesdurchschnitt (–17 bzw. –9,8 Prozent). Dieser Rückgang war unter anderem auf das Platzen der Dotcom-Blase zurückzuführen. Zudem kam es nach Einführung des Euro vermehrt zu Kapitalexporten als Folge der günstigeren Investitionsbedingungen in anderen Euroländern. Im folgenden Jahrzehnt war ein klarer Aufwärtstrend zu beobachten (+27 Prozent). Dass die Entwicklung deutlich besser als in Deutschland verlief (+20 Prozent), lag vor allem an der Entwicklung während der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise. Während die Investitionen 2009 im Bundesdurchschnitt noch deutlich stärker als das Bruttoinlandsprodukt einbrachen, ging die Investitionstätigkeit in Rheinland-Pfalz nur leicht zurück. Zwischen 2015 und 2019 entwickelten sich die Bruttoanlageinvestitionen in Rheinland-Pfalz jedoch wieder unterdurchschnittlich (+6,7; Deutschland: +13 Prozent), obwohl 2018 ein Wachstum von acht Prozent erreicht wurde. Mit Beginn der Coronapandemie 2020 und der damit verbundenen Unsicherheit wurden die Investitionen in allen Bundesländern außer Hessen zurückgefahren. Auch 2021 und 2022 waren bundesweit nur geringe Änderungen zu beobachten (2021: +0,6 Prozent; 2022: –0,2 Prozent). Rheinland-Pfalz verzeichnete 2021 dagegen mit einem Plus von 8,6 Prozent den höchsten Investitionszuwachs seit Beginn der Zeitreihe 1991. Dies ist maßgeblich auf zwei Branchen zurückzuführen, die an der Entwicklung und Produktion von Impfstoffen gegen das Coronavirus beteiligt sind.
Anhand der Investitionsquote bzw. der Investitionsintensität kann das Investitionsniveau zwischen Ländern verglichen werden. Als Investitionsquote bezeichnet man den Anteil der Bruttoanlageinvestitionen in jeweiligen Preisen am Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen; sie gibt also an, welcher Teil der Wertschöpfung für den Erhalt und die Erhöhung des Kapitalstocks der Volkswirtschaft verwendet wird. Dieser Anteil lag 2022 in Rheinland-Pfalz bei 22,7 Prozent und damit über dem Bundesdurchschnitt von 21,7 Prozent. Unter den Bundesländern bedeutete dies den siebten Rang; Spitzenreiter war Niedersachsen mit 29,8 Prozent, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern und Bayern (25,9 bzw. 24,8 Prozent).
Brutto- und Nettoinvestitionsquote
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© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
Die Verteilung der Investitionen auf Bauten und Ausrüstungen unterscheidet sich zwischen den Wirtschaftsbereichen erheblich. Im Bereich „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen“ entfallen aufgrund der Investitionen in Wohngebäude 78 Prozent der gesamten Investitionen auf Bauten. In allen anderen Wirtschaftsbereichen wird jeweils mehr als die Hälfte in Ausrüstungen investiert. Während dies jedoch im Bereich „Öffentliche und sonstige Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit“ nur 54 Prozent waren, lag der Anteil im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe bei 83 Prozent, im Baugewerbe bei 87 Prozent und in der Land- und Forstwirtschaft bei 85 Prozent.
Der langfristige Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen in Rheinland-Pfalz ist ausschließlich den Käufen neuer Ausrüstungen und sonstiger Anlagen zu verdanken. Zwischen 2000 und 2022 nahmen die Ausrüstungsinvestitionen preisbereinigt um 63 Prozent zu. In Deutschland fiel der Anstieg mit einem Plus von 47 Prozent wesentlich geringer aus.
Aufgrund der relativ starken Schwankungen der Bruttoanlageinvestitionen schwankt auch die Investitionsquote im Zeitablauf; das Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen nahm dagegen außer 2009 und 2020 in jedem Jahr zu. Den höchsten Wert erreichte die Investitionsquote in Rheinland-Pfalz im Jahr 2000 mit 23,6 Prozent. Danach ging sie bis 2005 auf 18,2 Prozent zurück. Zwischen 2011 und 2017 schwankte die Quote zwischen 20 und 21 Prozent und in den folgenden Jahren um 22 Prozent. Im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2022 betrug die Quote 20,7 Prozent und lag damit leicht über dem Bundesdurchschnitt (20,2 Prozent).
Die Investitionsintensität stellt das Verhältnis von Bruttoanlageinvestitionen zur Zahl der Erwerbstätigen dar; sie gibt also die durchschnittliche Verbesserung der Kapitalausstattung der Arbeitsplätze wieder. Die Investitionsintensität lag 2022 in Rheinland-Pfalz bei 19.495 Euro; das waren etwa 700 Euro mehr als im Bundesdurchschnitt. Vier Länder wiesen höhere Investitionsintensitäten auf: An der Spitze stand zuletzt Niedersachsen; im Jahr 2022 wurden dort 24.300 Euro je Erwerbstätige bzw. Erwerbstätigen investiert. Dahinter folgten Bayern, Baden-Württemberg und Hessen.
Die Investitionsintensität ist gegenüber 2000 preisbereinigt nur um 1,8 Prozent gestiegen. Der im Vergleich zu Deutschland (+4,3 Prozent) unterdurchschnittliche Zuwachs ist vor allem auf die schwächere Entwicklung der Investitionen in Rheinland-Pfalz zurückzuführen.

