29/2025 | Dr. Annette Tennstedt | Volkswirtschaft

Investitionen in Rheinland-Pfalz 2022

Entwicklung der Brutto- und Nettoanlageinvestitionen

15. Dezember 2025

Lesezeit ca. 14 Minuten
PDF Herunterladen

Große Unterschiede in den Wirtschaftsbereichen

Auf neue Bauten entfielen 2022 rund 51 Prozent bzw. 21,1 Milliarden Euro der Bruttoinvestitionen in neue Anlagen (Deutschland: ebenfalls 51 Prozent). Demnach wurden 49 Prozent bzw. 20,1 Milliarden Euro in neue Ausrüstungen und sonstige Anlagen investiert (Deutschland: ebenfalls 49 Prozent). Davon gaben Staat und Unternehmen 6,5 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Das entspricht einem Anteil von knapp 16 Prozent an den neuen Anlagen (Deutschland: 13 Prozent). Investitionen in Forschung und Entwicklung gelten als besonders wichtig für die Innovationsfähigkeit und das Produktivitätswachstum. Der Anteil der Ausgaben für Forschung und Entwicklung am Bruttoinlandsprodukt lag 2022 bei 3,7 Prozent (Deutschland: 2,8 Prozent).

Neue Anlagen 2022 nach Wirtschaftsbereich

Anteil an den neuen Anlagen insgesamt in %

1 Einschließlich Versicherungsdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen.

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Von den Wirtschaftsbereichen trägt der Bereich „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen“ fast die Hälfte zu den Investitionen in neue Anlagen bei (2022: 47 Prozent). Ursache für diesen hohen Anteilswert ist jedoch ein Sondereffekt: Die Investitionsausgaben im Teilbereich Grundstücks- und Wohnungswesen enthalten die gesamten Investitionen in Wohngebäude – also auch die Ausgaben der privaten Haushalte für Eigenheime und Eigentumswohnungen. Im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe werden knapp ein Viertel der Investitionen getätigt. Dahinter folgen der Bereich „Öffentliche und sonstige Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit“ mit 15 Prozent, der Bereich „Handel, Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe, Information und Kommunikation“ mit 13 Prozent, die Land- und Forstwirtschaft mit 1,8 Prozent und das Baugewerbe mit lediglich 1,4 Prozent.

Neue Anlagen 2022 nach Wirtschaftsbereich und Art der Anlage

Anteil an den neuen Anlagen des jeweiligen Wirtschaftsbereichs in %

1 Einschließlich Versicherungsdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen.

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Die Verteilung der Investitionen auf Bauten und Ausrüstungen unterscheidet sich zwischen den Wirtschaftsbereichen erheblich. Im Bereich „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen“ entfallen aufgrund der Investitionen in Wohngebäude 78 Prozent der gesamten Investitionen auf Bauten. In allen anderen Wirtschaftsbereichen wird jeweils mehr als die Hälfte in Ausrüstungen investiert. Während dies jedoch im Bereich „Öffentliche und sonstige Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit“ nur 54 Prozent waren, lag der Anteil im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe bei 83 Prozent, im Baugewerbe bei 87 Prozent und in der Land- und Forstwirtschaft bei 85 Prozent.

Der langfristige Anstieg der Bruttoanlageinvestitionen in Rheinland-Pfalz ist ausschließlich den Käufen neuer Ausrüstungen und sonstiger Anlagen zu verdanken. Zwischen 2000 und 2022 nahmen die Ausrüstungsinvestitionen preisbereinigt um 63 Prozent zu. In Deutschland fiel der Anstieg mit einem Plus von 47 Prozent wesentlich geringer aus.

Neue Anlagen nach Art der Anlage

Kettenindex: 2000=100

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Die im Vergleich zu Deutschland überdurchschnittliche Entwicklung ist insbesondere auf den bereits beschriebenen Sondereffekt 2021 durch die Impfstoffentwicklung im Bereich „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen“ zurückzuführen (+84 Prozent; Deutschland: +9,7 Prozent). In den übrigen Wirtschaftsbereichen war der Anstieg der Ausrüstungsinvestitionen ähnlich hoch wie im Bundesdurchschnitt: In den beiden anderen Teilbereichen des Dienstleistungssektors „Öffentliche und sonstige Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit“ sowie „Handel, Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe, Information und Kommunikation“ stiegen die preisbereinigten Investitionen in neue Ausrüstungen und sonstige Anlagen um 96 bzw. 94 Prozent (Deutschland: +101 bzw. +91 Prozent). Im Produzierenden Gewerbe, das bei den Ausrüstungsinvestitionen und insbesondere bei den Investitionen in Forschung und Entwicklung ein hohes Gewicht hat und von der Industrie dominiert wird, waren die Wachstumsraten deutlich geringer (Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe: +38 Prozent, Baugewerbe: +31 Prozent; Deutschland: +35 bzw. +48 Prozent). 

Neue Anlagen 2022 nach Wirtschaftsbereich und Art der Anlage

Wirtschaftsbereich

 

Neue
Anlagen
 

Neue Ausrüs-
tungen1

Neue
Bauten
 

Neue
Anlagen
 

Neue Ausrüs-
tungen1

Neue
Bauten
 

Mio.
EUR

Anteil an insgesamt
in %

Preisbereinigte Veränderung
zu 2000 in %

Neue Anlagen

41.166

100

100

100

17,2

62,8

-12,1

Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

735

1,8

3,1

0,5

37,3

61,9

-33,7

Produzierendes Gewerbe

9.818

23,9

40,5

7,9

29,7

37,8

-5,5

Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe

9.255

22,5

38,1

7,6

29,9

38,5

-6,5

Baugewerbe        

564

1,4

2,4

0,3

30,1

30,7

22,6

Dienstleistungsbereiche

30.613

74,4

56,4

91,5

12,9

90,0

-12,5

Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation

5.174

12,6

18,5

6,9

58,7

93,6

-0,5

Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen

19.420

47,2

21,6

71,6

-0,9

83,6

-12,3

Öffentliche und sonstige Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit

6.019

14,6

16,3

13,0

27,9

96,2

-18,7

1 Einschließlich sonstige Anlagen.

Die Investitionsquote, d. h. der Anteil der Ausrüstungsinvestitionen an der Bruttowertschöpfung, lag im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe 2022 mit 18,6 Prozent leicht über dem Niveau von 2000 (16,6 Prozent). Im Bundesdurchschnitt blieb das Niveau langfristig fast unverändert und war 2022 mit 18,9 Prozent geringfügig höher als in Rheinland-Pfalz. In den Dienstleistungsbereichen war die Investitionsquote mit 10,5 Prozent 2022 nur gut halb so hoch wie im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe (Deutschland: 10,3 Prozent). Gegenüber 2000 blieb die Investitionsquote in den Dienstleistungsbereichen fast unverändert (+0,1 Prozentpunkte). Die höchste Investitionsquote wies 2022 die Land- und Forstwirtschaft mit 28,3 Prozent auf; das waren 7,9 Prozentpunkte mehr als 2000.

Das Niveau der Bauinvestitionen lag 2022 preisbereinigt zwölf Prozent unter dem Niveau von 2000. Im Gegensatz zu den Ausrüstungsinvestitionen war dies eine im Vergleich zu Deutschland unterdurchschnittliche Entwicklung. Deutschlandweit gingen die Investitionen in neue Bauten preisbereinigt lediglich um 4,5 Prozent zurück. 

Die rheinland-pfälzischen Bauinvestitionen entwickelten sich zwar im Produzierenden Gewerbe besser als in Deutschland. Im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe nahmen sie um 6,5 Prozent ab und im Baugewerbe stiegen sie sogar um 22 Prozent (Deutschland: –29 bzw. +2,1 Prozent). In den Dienstleistungsbereichen und insbesondere auch im Bereich Grundstücks- und Wohnungswesen, das die Bauinvestitionen dominiert, gingen die Investitionen hingegen wesentlich stärker zurück als im Bundesdurchschnitt. Das Minus betrug im Bereich „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen“ zwölf Prozent, im Bereich „Öffentliche und sonstige Dienstleistungen, Erziehung und Gesundheit“ 19 Prozent und im Bereich „Handel, Verkehr und Lagerei, Gastgewerbe, Information und Kommunikation“ 0,5 Prozent (Deutschland: –3 bzw. –1,4 bzw. +2,3 Prozent). 

Nettoanlageinvestitionen vergrößern den Kapitalstock

Die Nettoanlageinvestitionen ergeben sich aus den um die Abschreibungen verminderten Bruttoanlageinvestitionen. Die Abschreibungen messen den Wertverzehr. Um das Niveau des Kapitalstocks zu halten, müssen (Ersatz-)Investitionen mindestens in Höhe der Abschreibungen getätigt werden. Die Nettoinvestitionen stellen die über die Ersatzinvestitionen hinausgehenden Investitionen dar; sie vergrößern den Kapitalstock.

Im Jahr 2022 beliefen sich die Abschreibungen auf 37 Milliarden Euro. Netto wurden also lediglich 3,1 Milliarden Euro investiert. Rund ein Fünftel der Nettoanlageinvestitionen tätigte das Produzierende Gewerbe und vier Fünftel der Dienstleistungssektor.