Nettoanlageinvestitionen und Abschreibungen
Mio. EUR
© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
Die Bruttoanlageinvestitionen sind seit 2000 in jeweiligen Preisen um 80 Prozent gestiegen. Die Abschreibungen nahmen deutlich stärker zu, und zwar um 121 Prozent. Die Nettoanlageinvestitionen sind deshalb zwischen 2000 und 2022 um 44 Prozent gesunken; folglich verlangsamte sich das Wachstum des Kapitalstocks. Im Bundesdurchschnitt war sogar ein Rückgang um 51 Prozent zu verzeichnen. Während die Abschreibungen kontinuierlich stiegen, schwankten die Nettoanlageinvestitionen kräftig und aufgrund des niedrigeren Niveaus deutlich stärker als die Bruttoanlageinvestitionen.
Im Produzierenden Gewerbe vervielfachten sich die Nettoinvestitionen zwischen 2000 und 2022 ausgehend von einem extrem niedrigen Niveau. Vor allem ab 2011 gab es immer wieder kräftige Zuwächse. Dagegen lagen die Nettoanlageinvestitionen in den Dienstleistungsbereichen 2022 um 43 Prozent unter dem Niveau von 2000.
Hoher Anteil der Ersatzinvestitionen
Der Anteil der Abschreibungen an den Bruttoanlageinvestitionen betrug 2022 rund 92 Prozent (Deutschland: 93 Prozent). Entsprechend der Abnahme der Nettoinvestitionen erhöhte sich der Anteil der Ersatzinvestitionen seit 2000 kräftig. Bereits Anfang der 2000er-Jahre stieg der Anteil von 75 auf über 90 Prozent und schwankt seitdem zwischen 85 und 95 Prozent.
Im Produzierenden Gewerbe ist der Anteil der Ersatzbeschaffungen in der Regel höher als in den Dienstleistungsbereichen. Im Jahr 2022 betrug der Abstand allerdings nur 2,5 Prozentpunkte (Anteil im Produzierenden Gewerbe: 91 Prozent, in den Dienstleistungsbereichen: 89 Prozent). Vor allem zwischen 2000 und 2015 war der Unterschied wesentlich größer, da die Ersatzquote im Produzierenden Gewerbe über dem heutigen Niveau lag und in den Dienstleistungsbereichen wesentlich niedriger ausfiel als aktuell. In einigen Jahren überstiegen die Abschreibungen im Produzierenden Gewerbe sogar die Bruttoinvestitionen. Die Nettoinvestitionen waren demzufolge teils negativ, was theoretisch einen schrumpfenden Kapitalstock bedeutet. Zuletzt war dies 2007 der Fall. Aufgrund des hohen Anteils an Ausrüstungen im Produzierenden Gewerbe, die eine kürzere Nutzungsdauer aufweisen als Bauten, sind hier laufend neue Investitionen erforderlich.
Nettoinvestitionsquote über dem Bundesdurchschnitt
Die Nettoinvestitionsquote zeigt, wie hoch der Anteil der Nettoinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt bzw. an der Bruttowertschöpfung ist und somit, welcher Teil des Bruttoinlandsprodukts verwendet wird, um den volkswirtschaftlichen Kapitalstock zu vergrößern. Die Quote lag in Rheinland-Pfalz 2022 bei 1,8 Prozent. Im Bundesdurchschnitt wurden 1,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zur Erweiterung des Anlagevermögens aufgewendet. Unter den Bundesländern wies Rheinland-Pfalz damit die neunthöchste Nettoinvestitionsquote auf. Klarer Spitzenreiter war Niedersachsen (fünf Prozent), gefolgt von Berlin und Bayern. Sechs Bundesländer wiesen 2022 negative Nettoinvestitionsquoten auf; in diesen Ländern schrumpfte das gesamtwirtschaftliche Produktivkapital.
Nach Wirtschaftsbereichen zeigt sich ein ähnliches Bild wie beim Anteil der Abschreibungen an den Bruttoanlageinvestitionen. Im Produzierenden Gewerbe ist die Nettoinvestitionsquote deutlich niedriger als in den Dienstleistungsbereichen (2022: 1,7 bzw. 3,2 Prozent). Der Unterschied ist vor allem auf das Grundstücks- und Wohnungswesen zurückzuführen. Der Anteil der Investitionen an der Wertschöpfung, insbesondere in Bauten, ist in diesem Bereich mit Abstand am höchsten.
Fazit
Die Bruttoanlageinvestitionen sind in Rheinland-Pfalz seit 2000 etwas schwächer gestiegen als im Bundesdurchschnitt. Die Entwicklung war jedoch sehr volatil und verlief in den einzelnen Wirtschaftsbereichen und nach Art der Anlage sehr unterschiedlich. Einerseits lagen die preisbereinigten Bauinvestitionen 2022 unter dem Niveau von 2000 und entwickelten sich schwächer als in Deutschland. Andererseits stiegen die Investitionen in neue Ausrüstungen und sonstige Anlagen, in denen auch Investitionen für Forschung und Entwicklung enthalten sind, gegenüber 2000 kräftig, und wesentlich stärker als im Bundesdurchschnitt. Zurückzuführen ist diese positive Entwicklung vor allem auf den Bereich „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen“. Die Investitionen nach dem Nettokonzept befinden sich auf einem sehr niedrigen Niveau. Ein Großteil der Bruttoanlageinvestitionen sind Ersatzinvestitionen und nur ein kleiner Teil dient der Erweiterung des Kapitalstocks.
Zu berücksichtigen ist, dass die Abschreibungen – und damit auch die Nettoanlageinvestitionen – nicht direkt messbar sind, sondern durch eine Modellrechnung mit bundeseinheitlichen Abschreibungssätzen berechnet werden. Zudem umfassen die Anlageinvestitionen nicht alle Arten von Investitionen. Nicht enthalten sind z. B. ein Großteil der Investitionen in „Humankapital“, also Investitionen in Aus- und Weiterbildung. Diese haben gerade heute in der Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft einen hohen Stellenwert. Auch Investitionen in bestimmte immaterielle Anlagen werden nicht erfasst. Zudem lässt sich aus der Höhe der Investitionen nicht auf die Effizienz schließen.
Detaillierte Informationen zu den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder gibt es im Internetangebot des Arbeitskreises „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“.
Ergebnisse zu den Bruttoanlageinvestitionen enthält die Gemeinschaftsveröffentlichung des Arbeitskreises Reihe 1 Band 3 „Bruttoanlageinvestitionen in den Ländern der Bundesrepublik Deutschland“.