33/2026 | Moritz Hohlstein | Gesundheit, Volkswirtschaft, Arbeit

Gesundheitswirtschaft in Rheinland-Pfalz

Aktuelle Ergebnisse der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen

23. Februar 2026

Lesezeit ca. 23 Minuten
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Moritz Hohlstein
Volkswirt (M.Sc.)
Referat „Analysen Wirtschaft“
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Die Gesundheitswirtschaft ist eine Wachstumsbranche, deren Bruttowertschöpfung und Beschäftigtenzahl in den vergangenen Jahren deutlich zunahm. Im Jahr 2024 trug die Branche rund 13 Prozent zur Bruttowertschöpfung, die in Rheinland-Pfalz erwirtschaftet wurde, bei. Außerdem bot sie 15 Prozent aller Erwerbstätigen einen Arbeitsplatz. Dies zeigen aktuelle Ergebnisse der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen der Länder. Allerdings machen die Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen auch deutlich, dass diesem Wertschöpfungs- und Beschäftigungszuwachs kontinuierlich steigende Ausgaben im Gesundheitswesen gegenüberstanden. In diesem Beitrag werden die aktuellen Ergebnisse aus den drei Teilbereichen der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen, dem Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz, der Gesundheitspersonalrechnung und der Gesundheitsausgabenrechnung vorgestellt.

Teilbereiche der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen

Wie hoch sind die Gesundheitsausgaben in Rheinland-Pfalz und für welche Gesundheitsleistungen wird am meisten ausgegeben? Wie viele Beschäftigte sind im Gesundheitswesen tätig? Wie hoch ist der Anteil der Gesundheitswirtschaft an der gesamten Wertschöpfung im Land? Und wie wirkte sich die Coronapandemie auf die Gesundheitswirtschaft aus? Die Antworten auf diese Fragen geben die Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen der Länder. Die Rechenwerke der amtlichen Statistik bestehen aus drei Teilen, dem Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz, der Gesundheitspersonalrechnung und der Gesundheitsausgabenrechnung. Diese werden für alle Bundesländer nach einheitlichen Methoden erstellt. Für die Gesundheitspersonal- und die Gesundheitsausgabenrechnung liegen derzeit Ergebnisse für die Berichtsjahre 2008 bis 2023 vor. Beim Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz erstreckt sich die Zeitreihe bis zum Berichtsjahr 2024.

Ausführlichere Informationen zu den Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen der Länder sind dem Statistikportal zu entnehmen. Dort finden sich neben den aktuellen Ergebnissen auch interaktive Grafiken, Dashboards, Definitionen, detaillierte Erläuterungen zu den Berechnungsmethoden sowie weiterführende Literaturhinweise.

Über Veröffentlichungen und alle wichtigen Neuigkeiten informiert auch der Newsletter der Arbeitsgruppe Gesundheitsökonomische Gesamtrechnungen der Länder.

13 Prozent Wertschöpfungsanteil

Die Gesundheitswirtschaft leistet einen erheblichen Beitrag zur Bruttowertschöpfung der rheinland-pfälzischen Wirtschaft. Nach Ergebnissen des Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatzes erzielte der Wirtschaftsbereich 2024 in jeweiligen Preisen eine Bruttowertschöpfung in Höhe von 21,9 Milliarden Euro und trug somit 13 Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung bei, die im Land erstellt wird. Im Vergleich aller Bundesländer weist die Gesundheitswirtschaft in Rheinland-Pfalz den vierthöchsten Wertschöpfungsanteil auf. Am höchsten war der Wertschöpfungsanteil der Gesundheitswirtschaft in Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein (jeweils 14 Prozent). Am niedrigsten war er in Bayern und Baden-Württemberg (9,5 bzw. 9,8 Prozent). Im Länderdurchschnitt belief sich der Wert auf elf Prozent. Der hohe Anteilswert in Rheinland-Pfalz ist unter anderem auf die große Bedeutung der Pharmaindustrie zurückzuführen, die während der Coronapandemie erheblich von der Entwicklung und Produktion eines Impfstoffes profitierte. Allerdings wies die Gesundheitswirtschaft in Rheinland-Pfalz bereits vor dem Beginn der Pandemie einen überdurchschnittlichen Wertschöpfungsanteil auf. Im Jahr 2019 lag er 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der Länder.

Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft 2024

Anteil an der Gesamtwirtschaft in %

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Bundesland
 

Bruttowert-
schöpfung (BWS)1
in Mrd. EUR

Erwerbstätige (ET)
in 1.000

BWS1 je ET
in EUR

Baden-Württemberg

57,9

843,4

68.619

Bayern

67,8

993,7

68.242

Berlin

21,1

280,7

75.218

Brandenburg

10,2

160,0

63.801

Bremen

3,9

59,2

66.037

Hamburg

15,1

186,7

80.622

Hessen

37,5

481,1

77.976

Mecklenburg-Vorpommern

7,2

121,2

59.707

Niedersachsen

34,8

583,8

59.690

Nordrhein-Westfalen

89,2

1.358,2

65.677

Rheinland-Pfalz

21,9

300,6

72.800

Saarland

5,1

83,3

60.811

Sachsen

18,1

295,6

61.136

Sachsen-Anhalt

9,8

151,4

64.636

Schleswig-Holstein

15,5

224,9

68.737

Thüringen

9,2

144,9

63.587

Alle Länder

424,3

6.268,8

67.677

1 In jeweiligen Preisen.

Die Gesundheitswirtschaft bietet als personalintensive Branche vielen Menschen einen Arbeitsplatz. Im Jahr 2024 waren in Rheinland-Pfalz 300.600 Erwerbstätige in der Gesundheitswirtschaft beschäftigt. Somit arbeiteten 15 Prozent aller Erwerbstätigen in dieser Branche. Im Länderdurchschnitt hatten 2024 gut 14 Prozent aller Erwerbstätigen in diesem Wirtschaftsbereich ihren Arbeitsplatz. Die Anteile lagen zwischen 13 Prozent in Bayern und 16 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Rheinland-Pfalz belegt im Vergleich der Bundesländer Rang fünf.

Erwerbstätige in der Gesundheitswirtschaft 2024

Anteil an der Gesamtwirtschaft in %

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Bereits in den Jahren vor der Coronapandemie präsentierte sich die Gesundheitswirtschaft als eine Wachstumsbranche, deren Wertschöpfung kontinuierlich stieg. In Rheinland-Pfalz nahm die preisbereinigte Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft von 2014 bis 2019 um 14 Prozent zu (Summe der Länder: +12 Prozent); die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung wuchs im gleichen Zeitraum nur um 5,4 Prozent. Während der Coronapandemie entwickelte sich die Branche wesentlich günstiger als die Gesamtwirtschaft. Im Jahr 2020, dem ersten Jahr der Pandemie, erhöhte sich die preisbereinigte Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft in Rheinland-Pfalz um 6,7 Prozent (Summe der Länder: +1,9 Prozent). In der Gesamtwirtschaft nahm die Wertschöpfung aufgrund von unterbrochenen Lieferketten, Einschränkungen für Beschäftigte beim Zugang zu ihren Arbeitsplätzen und allgemeinen Kontaktbeschränkungen hingegen ab (–3,7 Prozent). Im Jahr 2021 stieg die Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft in Rheinland-Pfalz massiv; sie nahm gegenüber dem Vorjahr preisbereinigt um 68 Prozent zu (Summe der Länder: +6 Prozent). Verantwortlich war die außergewöhnliche Entwicklung in der Pharmaindustrie, die mit der Entwicklung und Produktion eines Coronaimpfstoffes einen großen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leistete. Dieser Sondereffekt schlug sich auch im Wertschöpfungsergebnis der Gesamtwirtschaft nieder. Insgesamt stieg die preisbereinigte Bruttowertschöpfung in Rheinland-Pfalz 2021 um elf Prozent. Im Jahr 2022 blieb die Wertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft trotz eines Rückgangs um drei Prozent auf einem außergewöhnlich hohen Niveau (Summe der Länder: +2,8 Prozent; Gesamtwirtschaft: +0,2 Prozent).

Der Sondereffekt in der Pharmabranche schwächte sich 2023 spürbar ab, sodass die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft preisbereinigt gegenüber 2022 um 29 Prozent sank (Summe der Länder: –0,9 Prozent). Die deutlichen Einbußen in der Gesundheitswirtschaft wirkten sich auch auf die Gesamtwirtschaft aus; in Rheinland-Pfalz schrumpfte die gesamtwirtschaftliche Bruttowertschöpfung 2023 um 3,9 Prozent. Im Jahr 2024 nahm die Bruttowertschöpfung weiter ab. In der Gesundheitswirtschaft lag sie um 3,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres (Summe der Länder: +1,4 Prozent); in der Gesamtwirtschaft betrug das Minus 1,1 Prozent. Trotz des Rückgangs in den letzten drei Jahren übertraf die Wertschöpfung der Gesundheitswirtschaft 2024 mit +19 Prozent aber deutlich das Vor-Corona-Niveau von 2019. Außerdem war der Zuwachs größer als in der Summe der Länder (+12 Prozent). Die Gesamtwirtschaft wuchs in diesem Zeitraum deutlich langsamer; in Rheinland-Pfalz war die Bruttowertschöpfung 2024 preisbereinigt nur 2,1 Prozent höher als 2019.

Insgesamt erhöhte sich die Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft von 2014 bis 2024 preisbereinigt um 36 Prozent. Der Anstieg fiel somit stärker aus als im Länderdurchschnitt (+25 Prozent) und in der rheinland-pfälzischen Gesamtwirtschaft, die im gleichen Zeitraum nur um 7,6 Prozent wuchs.

Bruttowertschöpfung in der Gesundheitswirtschaft

Kettenindex preisbereinigt: 2014=100¹

1 Index rechnerisch umbasiert.

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Der Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz (WSE) liefert Informationen zur Bruttowertschöpfung und zu den Erwerbstätigen in der Gesundheitswirtschaft. Die Abgrenzung der Gesundheitswirtschaft, die dem Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz zugrunde liegt, umfasst die Fertigung und Vermarktung von Waren und Dienstleistungen, mit denen die Gesundheit sowohl erhalten als auch wiederhergestellt wird und die von den verschiedenen Ausgabenträgern im Gesundheitswesen ganz oder teilweise erstattet werden. Die Gesundheitswirtschaft ist ein Querschnittsbereich, der als Kern das Gesundheits- und Sozialwesen mit der stationären und ambulanten Gesundheitsversorgung enthält. Um diesen Kern gruppieren sich weitere der Gesundheitswirtschaft zugehörige Akteure, beispielsweise aus dem Handel und dem Verarbeitenden Gewerbe. Nicht zur Gesundheitswirtschaft zählen grundsätzlich privat finanzierte gesundheitsbezogene Waren und Dienstleistungen wie beispielsweise Produkte aus dem Bereich Wellness.

Im Gegensatz zur Gesundheitsausgaben- und zur Gesundheitspersonalrechnung wird beim Wertschöpfungs-Erwerbstätigen-Ansatz nicht das System of Health Accounts (SHA) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zur Abgrenzung der Gesundheitswirtschaft verwendet, sondern die Wirtschaftszweigklassifikation 2008 (WZ 2008). Dadurch harmonieren die Daten mit den Ergebnissen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und der Erwerbstätigenrechnung, sodass ein Vergleich der Gesundheitswirtschaft mit der Wertschöpfung und der Erwerbstätigkeit in anderen Bereichen der Volkswirtschaft möglich ist.

Die Bedeutung der Gesundheitswirtschaft für den rheinland-pfälzischen Arbeitsmarkt nahm in den vergangenen Jahren ebenfalls deutlich zu. Von 2014 bis 2019, also schon vor Beginn der Coronapandemie, stieg die Zahl der Erwerbstätigen in der Gesundheitswirtschaft um 23.100 Personen bzw. neun Prozent (Summe der Länder: +11 Prozent). In der Gesamtwirtschaft fiel das Wachstum im gleichen Zeitraum deutlich schwächer aus (+4,2 Prozent). In den durch die Pandemie geprägten Jahren 2020 bis 2022 erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen in der Gesundheitswirtschaft weiter kontinuierlich, obwohl sie in der Gesamtwirtschaft zeitweise sank bzw. stagnierte. Im Jahr 2022 war die Erwerbstätigenzahl in der Gesundheitswirtschaft um 11.600 Personen bzw. 4,2 Prozent höher als 2019 (Summe der Länder: +5,5 Prozent). In der Gesamtwirtschaft stagnierte die Erwerbstätigkeit nahezu (+0,2 Prozent). Auch im Jahr 2023 nahm die Zahl der Erwerbstätigen in der rheinland-pfälzischen Gesundheitswirtschaft zu. Gegenüber dem Vorjahr stieg sie um 2.900 Personen bzw. ein Prozent. Dies entspricht dem niedrigsten prozentualen Zuwachs seit dem Beginn der Zeitreihe 2008 (Summer der Länder: +0,8 Prozent). Allerdings entwickelte der Arbeitsmarkt 2023 allgemein wenig Dynamik; die Gesamtzahl der Erwerbstätigen legte in Rheinland-Pfalz nur um 0,4 Prozent zu. Obwohl 2024 die Erwerbstätigenzahl insgesamt leicht sank (–0,2 Prozent), wurden in der Gesundheitswirtschaft wieder mehr neue Arbeitsplätze geschaffen: Die Zahl der Erwerbstätigen stieg um 2,4 Prozent (Summe der Länder: +2,2 Prozent).

Insgesamt waren in der rheinland-pfälzischen Gesundheitswirtschaft 2024 rund 44.600 Personen mehr erwerbstätig als 2014 (+17 Prozent; Summe der Länder: +20 Prozent). In der Gesamtwirtschaft erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen im gleichen Zeitraum lediglich um 4,7 Prozent.

Erwerbstätige in der Gesundheitswirtschaft

Messzahl: 2014=100

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz