Beschäftigungsanstieg im Gesundheitswesen
Bereits vor Beginn der Coronapandemie wuchs die Beschäftigung im rheinland-pfälzischen Gesundheitswesen. Im Zeitraum von 2014 bis 2019 erhöhte sie sich um 12.100 Beschäftigungsverhältnisse bzw. 4,8 Prozent. Im Bundesdurchschnitt fiel der Anstieg noch stärker aus (+9,3 Prozent). Im Jahr 2020 erhöhte sich die Beschäftigtenzahl im rheinland-pfälzischen Gesundheitswesen trotz der Herausforderungen, die der Ausbruch der Coronapandemie mit sich brachte, insgesamt nur moderat. Es kamen 2.400 Beschäftigungsverhältnisse hinzu, was einem Plus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (Deutschland: +1,5 Prozent). Allerdings führte die Pandemie zu einem deutlichen Beschäftigungsaufbau im Gesundheitsschutz, zu dem unter anderem die Gesundheitsämter und die in öffentlicher Hand betriebenen Impfzentren zählen. In dieser Einrichtungsart wuchs das Gesundheitspersonal um 34 Prozent. Im zweiten Jahr der Pandemie legte die Beschäftigung im Gesundheitswesen kräftig zu. So stieg die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 6.200 bzw. 2,3 Prozent (Deutschland: +2,8 Prozent). Starke prozentuale Zuwächse verzeichneten der Gesundheitsschutz (+14 Prozent) und die sonstigen Einrichtungen des Gesundheitswesens (+11 Prozent). Zu den sonstigen Einrichtungen gehören unter anderem die Corona-Testzentren.
Das Abklingen der Pandemie spiegelt sich auch in der Beschäftigtenentwicklung 2022 wider. Insgesamt entstanden im rheinland-pfälzischen Gesundheitswesen zwar 700 zusätzliche Arbeitsplätze, was einem leichten Plus von 0,3 Prozent entspricht (Deutschland: +0,5 Prozent). Allerdings wurden unter anderem in den Einrichtungsarten „Gesundheitsschutz“ und „Sonstige Einrichtungen des Gesundheitswesens“ Stellen abgebaut (–15 bzw. –2,1 Prozent). Im Jahr 2023 verringerte sich das Gesundheitspersonal in Rheinland-Pfalz leicht um 600 Beschäftigte bzw. 0,2 Prozent (Deutschland: +0,5 Prozent). Im Gesundheitsschutz und in den sonstigen Einrichtungen wurde der während der Pandemie stark gewachsene Personalbestand weiter reduziert (–9,1 bzw. –2,3 Prozent). Zudem sank die Beschäftigtenzahl in den Vorleistungseinrichtungen um 7,7 Prozent. Allerdings trug zu diesem Rückgang der Wechsel eines größeren Betriebes in einen anderen Wirtschaftszweig bei, wodurch die Beschäftigten ab dem Berichtsjahr 2023 bei der Berechnung des Gesundheitspersonals nicht mehr berücksichtigt werden.
Insgesamt stieg der Personalbestand im Gesundheitswesen von 2014 bis 2023 um 21.000 Beschäftigte bzw. 8,2 Prozent. Im Bundesdurchschnitt fiel der Anstieg mit +15 Prozent noch stärker aus. Am geringsten war die Zunahme in Bremen und am höchsten in Hamburg (+7,4 bzw. +22 Prozent).
Gesundheitspersonal
Messzahl: 2014=100
© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz
In Rheinland-Pfalz war die Beschäftigtenzahl in sechs der sieben Einrichtungsarten 2023 größer als 2014. Die meisten neuen Arbeitsplätze entstanden in ambulanten Einrichtungen (+11.100 Beschäftigte). In den stationären und teilstationären Einrichtungen waren 2023 rund 5.500 Beschäftigte mehr tätig als 2014. In den sonstigen Einrichtungen des Gesundheitswesens kamen seit 2014 rund 3.000 und im Rettungsdienst 1.600 Beschäftigungsverhältnisse hinzu. In den Vorleistungseinrichtungen nahm die Beschäftigtenzahl hingegen ab (–1.000 Beschäftigte); jedoch erklärt sich dieser Rückgang in erster Linie durch den Wirtschaftszweigwechsel eines größeren Betriebes. Vor dieser Änderung war das Gesundheitspersonal in Vorleistungseinrichtungen gewachsen; 2022 wurden in dieser Einrichtungsart 1.200 Beschäftigungsverhältnisse mehr gezählt als 2014.
Der Frauenanteil im Gesundheitswesen hat sich im Zeitverlauf kaum verändert. Im Jahr 2023 lag er 0,5 Prozentpunkte unter dem Niveau von 2014. Im Vergleich der sieben Einrichtungsarten ging der Frauenanteil in stationären und teilstationären Einrichtungen am stärksten zurück (–1,6 Prozentpunkte). Anteilig mehr Männer als 2014 arbeiteten insbesondere in der stationären und teilstationären Pflege (Frauenanteil: –3,7 Prozentpunkte). Im Rettungsdienst stieg der Anteil der Frauen dagegen kräftig; von 2014 bis 2023 nahm er um 6,6 Prozentpunkte zu.
Auch die Vollzeitäquivalente je 100 Beschäftigte änderten sich von 2014 bis 2023 kaum. Sie waren 2023 nur 0,3 Vollzeitäquivalente niedriger als 2014, was eine geringfügige Zunahme von Teilzeitarbeit bedeutet. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Einrichtungsarten. In fünf der sieben Einrichtungsarten nahm die Bedeutung von Teilzeitarbeit zu. Besonders im Rettungsdienst arbeiteten 2023 mehr Teilzeitkräfte als 2014; die Zahl der Vollzeitäquivalente je 100 Beschäftigte verringerte sich in diesem Zeitraum um 6,8. Hingegen wurde im Gesundheitsschutz sowie in stationären und teilstationären Einrichtungen 2023 mehr in Vollzeit gearbeitet als 2014. In diesen Teilbereichen stieg die Zahl der Vollzeitäquivalente je 100 Beschäftigte um 3,4 bzw. 2,3.
24,3 Milliarden Euro Gesundheitsausgaben
Die rheinland-pfälzischen Gesundheitsausgaben beliefen sich 2023 auf 24,3 Milliarden Euro. Auf jede Rheinland-Pfälzerin bzw. jeden Rheinland-Pfälzer entfielen rechnerisch Gesundheitsausgaben in Höhe von 5.841 Euro. Damit lagen die Ausgaben je Einwohnerin bzw. Einwohner unter dem Bundesdurchschnitt von 5.925 Euro. Der Grund sind die in Rheinland-Pfalz geringeren Pro-Kopf-Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung, der öffentlichen Haushalte, der sozialen Pflegeversicherung und der privaten Haushalte. Im Ländervergleich wurden die höchsten Gesundheitsausgaben je Einwohnerin bzw. Einwohner in Brandenburg getätigt und die niedrigsten in Bremen (6.402 bzw. 5.368 Euro).
Bundesland | Insgesamt | Gesetzliche | Private | Private | Soziale |
|---|---|---|---|---|---|
EUR pro Kopf | |||||
| Baden-Württemberg | 5.597 | 3.048 | 735 | 537 | 599 |
| Bayern | 5.858 | 3.142 | 837 | 559 | 562 |
| Berlin | 6.151 | 3.418 | 714 | 490 | 738 |
| Brandenburg | 6.402 | 3.705 | 627 | 411 | 864 |
| Bremen | 5.368 | 3.027 | 620 | 329 | 594 |
| Hamburg | 6.051 | 3.177 | 900 | 496 | 603 |
| Hessen | 6.050 | 3.230 | 839 | 517 | 674 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 6.151 | 3.718 | 508 | 324 | 867 |
| Niedersachsen | 5.764 | 3.230 | 673 | 461 | 686 |
| Nordrhein-Westfalen | 6.068 | 3.395 | 695 | 491 | 729 |
| Rheinland-Pfalz | 5.841 | 3.196 | 710 | 556 | 657 |
| Saarland | 6.086 | 3.397 | 690 | 493 | 750 |
| Sachsen | 5.763 | 3.621 | 423 | 266 | 841 |
| Sachsen-Anhalt | 6.211 | 3.826 | 528 | 248 | 946 |
| Schleswig-Holstein | 6.030 | 3.276 | 757 | 561 | 650 |
| Thüringen | 6.005 | 3.609 | 596 | 294 | 826 |
| Deutschland | 5.925 | 3.302 | 714 | 483 | 688 |
1 Einschließlich private Organisationen ohne Erwerbszweck.
Die Gesundheitsausgabenrechnung (GAR) bildet die Gesundheitsausgaben nach Ausgabenträgern ab. Träger von Gesundheitsausgaben sind alle öffentlichen und privaten Institutionen, die Leistungen für die Gesundheit finanzieren. Zu den Gesundheitsausgaben zählen alle Käufe von Waren und Dienstleistungen, die zum Zweck der Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege getätigt werden, die Kosten der Verwaltung sowie die Investitionen der Einrichtungen des Gesundheitswesens. Räumlich beziehen sich die Gesundheitsausgaben auf die Käufe der inländischen Bevölkerung. Inhaltlich werden nur die Transaktionen für die letzte Verwendung erfasst. Im Regelfall muss ein direkter Patientenbezug gegeben sein.
Für den größten Ausgabenträger – die gesetzliche Krankenversicherung – werden zudem die Gesundheitsausgaben nach Leistungsarten ermittelt. Ausgewiesen werden die laufenden Gesundheitsausgaben (ohne Investitionen) für sieben Hauptleistungsarten mit insgesamt 15 Unterpositionen.
Die Summe der Gesundheitsausgaben entsprach 2023 rund 14 Prozent des in Rheinland-Pfalz erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukts. Bundesweit war der Anteil etwas niedriger (zwölf Prozent). Deutliche Unterschiede ergeben sich beim Vergleich der ostdeutschen und westdeutschen Bundesländer. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt hatten Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen die höchsten Gesundheitsausgaben (jeweils 17 Prozent). Auch in Sachsen war der Anteil mit 15 Prozent überdurchschnittlich. Die geringsten gesundheitsbezogenen Ausgaben im Verhältnis zur Wirtschaftskraft wiesen Hamburg und Bremen auf (7,5 bzw. 9,2 Prozent), gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern (jeweils zehn Prozent).
Mehr als die Hälfte der Gesundheitsausgaben in Rheinland-Pfalz werden von der gesetzlichen Krankenversicherung getätigt. Ihr Anteil belief sich 2023 auf 55 Prozent. Im Bundesdurchschnitt war der Anteil mit 56 Prozent etwas höher. Allerdings ist in Rheinland-Pfalz auch der Anteil der gesetzlich Krankenversicherten an der Bevölkerung unterdurchschnittlich. Am geringsten ist der Ausgabenanteil der gesetzlichen Krankenversicherung mit 53 Prozent in Hamburg und am höchsten in Sachsen mit 63 Prozent.
Der zweitwichtigste Ausgabenträger sind in Rheinland-Pfalz die privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck. Dieser Ausgabenträger umfasst beispielsweise die Zuzahlungen von Privatpersonen bei Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung sowie Direktkäufe von gesundheitsbezogenen Waren und Dienstleistungen. In Rheinland-Pfalz trugen die privaten Haushalte 2023 rund zwölf Prozent der Gesundheitsausgaben. Im Bundesdurchschnitt lag der Anteil ebenfalls bei zwölf Prozent. Am niedrigsten fiel er in Sachsen aus und am höchsten in Hamburg (7,3 bzw. 15 Prozent).
Die private Krankenversicherung kam 2023 für 9,5 Prozent aller Gesundheitsausgaben auf. Damit weist Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Bayern den zweithöchsten Anteilswert auf. Den Spitzenplatz nahm Baden-Württemberg mit 9,6 Prozent ein. In Sachsen-Anhalt war der Ausgabenanteil der privaten Krankenversicherung mit vier Prozent noch nicht einmal halb so groß. Der Bundesdurchschnitt lag bei 8,2 Prozent.
Die Verteilung der Gesundheitsausgaben auf die Ausgabenträger ist in Rheinland-Pfalz ähnlich wie im Bundesdurchschnitt, sie unterscheidet sich jedoch etwas zwischen den ostdeutschen und den westdeutschen Bundesländern. In den ostdeutschen Bundesländern ist die soziale Pflegeversicherung für einen größeren Teil der Gesundheitsausgaben verantwortlich als in den westdeutschen Bundesländern. Der Ausgabenanteil lag in den ostdeutschen Bundesländern zwischen 14 und 15 Prozent und in den westlichen Bundesländern zwischen 9,6 und zwölf Prozent (Rheinland-Pfalz: elf Prozent). Eine mögliche Ursache für diesen strukturellen Unterschied ist der teils höhere Altenquotient1 in den östlichen Bundesländern. Er ist eine Folge der Abwanderung vor allem jüngerer Menschen aus diesen Ländern über eine längere Zeit nach der Wiedervereinigung. Aus dem größeren Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung dürfte sich eine vergleichsweise höhere Nachfrage nach Leistungen der sozialen Pflegeversicherung ergeben.
Die Ausgaben für Waren und Dienstleistungen rund um die Gesundheit stiegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich. Von 2014 bis 2019 wuchsen sie um 25 Prozent und somit deutlich stärker als das nominale Bruttoinlandsprodukt, das in diesem Zeitraum um 15 Prozent zulegte (Deutschland: +26 bzw. +18 Prozent). Entsprechend nahm der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt von 2014 bis 2019 um insgesamt 1,1 Prozentpunkte zu. Dazu dürften mehrere Faktoren beigetragen haben, zum Beispiel der demografische Wandel, neue Methoden zur Diagnostik und Behandlung von Krankheiten sowie ein gestiegenes Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung.
Gesundheitsausgaben
Mrd. EUR
© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz