33/2026 | Moritz Hohlstein | Gesundheit, Volkswirtschaft, Arbeit

Gesundheitswirtschaft in Rheinland-Pfalz

Aktuelle Ergebnisse der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen

23. Februar 2026

Lesezeit ca. 23 Minuten
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Der Ausbruch der Coronapandemie trug dazu bei, dass die Ausgabensteigerung 2020 überdurchschnittlich hoch ausfiel. Für Waren und Dienstleistungen rund um die Gesundheit wurden sechs Prozent mehr ausgegeben als 2019 (Deutschland: +6,7 Prozent). Allerdings entwickelten sich die Gesundheitsausgaben der verschiedenen Ausgabenträger sehr unterschiedlich. Die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung führten zu enormen Mehrausgaben der öffentlichen Haushalte (+85 Prozent). Auch die Gesundheitsausgaben der sozialen Pflegeversicherung wuchsen kräftig (+12 Prozent). Dagegen gaben die gesetzliche Rentenversicherung, die gesetzliche Unfallversicherung und die privaten Haushalte 2020 weniger aus als im Vorjahr.

Im Jahr 2021, dem zweiten Jahr der Coronapandemie, nahmen die Gesundheitsausgaben erheblich stärker zu als 2020. Sie lagen 2021 um 8,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahres (Deutschland: +8,5 Prozent). Dabei handelt es sich um den stärksten Zuwachs seit Beginn der Zeitreihe 2008. Alle Ausgabenträger gaben 2021 mehr für gesundheitsbezogene Waren und Dienstleistungen aus als im Vorjahr. Die Ausgaben der öffentlichen Haushalte und der sozialen Pflegeversicherung erhöhten sich besonders deutlich (+37 bzw. +9,7 Prozent).

Im Jahr 2022 fielen die Ausgabensteigerungen schwächer aus als in den beiden Vorjahren (+4,8 Prozent; Deutschland: +5,3 Prozent). Deutlich höhere Gesundheitsausgaben verzeichneten 2022 erneut die Öffentlichen Haushalte und die soziale Pflegeversicherung (+15 bzw. +12 Prozent). Die Ausgaben der privaten Haushalte waren hingegen rückläufig (–3,4 Prozent). Ein Grund dafür, dass die privaten Haushalte weniger für den Erhalt und die Wiederherstellung ihrer Gesundheit ausgaben, könnte die allgemeine Konsumzurückhaltung infolge der hohen Inflation gewesen sein.

Im Jahr 2023 gingen die Gesundheitsausgaben zum ersten Mal seit Beginn der Zeitreihe 2008 leicht zurück (–0,2 Prozent; Deutschland: –0,1 Prozent). Mit dem Nachlassen der Pandemie wurden die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung 2023 reduziert, weshalb die Gesundheitsausgaben der öffentlichen Haushalte nur etwa halb so hoch waren wie 2022 (–49 Prozent). Bei den übrigen Ausgabenträgern setzte sich jedoch der Trend steigender Ausgaben fort. Prozentual erhöhten sich die Ausgaben der Arbeitgeber – zu denen unter anderem Beihilfeausgaben zählen – am stärksten (+10 Prozent). Auch die gesetzliche Rentenversicherung (+8 Prozent), die gesetzliche Unfallversicherung (+7,3 Prozent) und die private Krankenversicherung (+6,1 Prozent) gaben deutlich mehr aus als im Vorjahr. Dafür lagen die Gesundheitsausgaben der sozialen Pflegeversicherung nur um 0,4 Prozent über dem Vorjahresniveau. Der mittelfristige Trend kräftiger Ausgabensteigerungen bei der sozialen Pflegeversicherung wurde 2023 durch einen Rückgang der Ausgaben im Zusammenhang mit der Coronapandemie kurzfristig gedämpft.

Insgesamt nahmen die Gesundheitsausgaben zwischen 2014 und 2023 um acht Milliarden Euro bzw. 49 Prozent zu (Deutschland: +53 Prozent). Mehr als die Hälfte dieser Mehrausgaben entfielen auf den größten Ausgabenträger, die gesetzliche Krankenversicherung (+4,2 Milliarden Euro bzw. +46 Prozent). Die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung wuchsen seit 2014 um 1,6 Milliarden Euro und haben sich damit mehr als verdoppelt (+139 Prozent). Der Anstieg dürfte neben der demografischen Entwicklung auf die Ausweitung des Kreises der Leistungsberechtigten infolge von Gesetzesänderungen zurückzuführen sein. So führte besonders das zum 1. Januar 2017 in Kraft getretene Zweite Pflegestärkungsgesetz dazu, dass mehr Menschen mit Demenzerkrankungen oder psychisch bedingter Pflegebedürftigkeit Anspruch auf Leistungen haben.

Gesundheitsausgaben 2023 nach Ausgabenträgern

Veränderung zu 2014 in Mrd. EUR

( ) Veränderung zu 2014 in Prozent
1 Einschließlich private Organisationen ohne Erwerbszweck.

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Größte Ausgabenposten: Ärztliche Leistungen und Waren

Für den größten Träger von Gesundheitsausgaben – die gesetzliche Krankenversicherung – werden im Rahmen der Gesundheitsökonomischen Gesamtrechnungen der Länder auch die Gesundheitsausgaben nach Leistungsarten ermittelt. Somit ergibt sich ein Überblick, wieviel für bestimmte gesundheitsbezogene Waren und Dienstleistungen ausgegeben wird.

Gesundheitsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung 2023 nach Leistungsarten

Anteil in %

1 Transporte, Prävention und Gesundheitsschutz, Verwaltungsleistungen sowie Unterkunft und Verpflegung.

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Die gesetzliche Krankenversicherung gab 2023 insgesamt 13,3 Milliarden Euro aus. Auf jede der 3,5 Millionen gesetzlich versicherten Personen entfielen damit im Durchschnitt 3.806 Euro (Deutschland: 3.786). Am meisten gab die gesetzliche Krankenversicherung für ärztliche Leistungen aus. Der Ausgabenanteil dieser Leistungsart lag bei 32 Prozent (Deutschland: 31 Prozent). Je versicherte Person betrugen die Ausgaben für ärztliche Leistungen 1.207 Euro. Etwa die Hälfte davon machten Sonderleistungen aus. Darunter fallen unter anderem fachärztliche Tätigkeiten, Prothetik und Kieferorthopädie, aber auch Leistungen, die in Verbindung mit der ärztlichen Grundversorgung einer Patientin bzw. eines Patienten stehen, wie zum Beispiel das Anlegen eines Verbandes oder das Verabreichen von Injektionen. Mehr als ein Viertel der Ausgaben für Ärztliche Leistungen entfiel auf Grundleistungen, die zum Kernbereich jeder ärztlichen Tätigkeit gehören, wie beispielsweise die Beratung oder das Ausstellen von Rezepten. Laborleistungen und strahlendiagnostische Leistungen machten 9,9 bzw. 9,1 Prozent der Ausgaben für ärztliche Leistungen aus.

Der zweithöchste Ausgabenanteil entfiel auf die Leistungsart „Waren“ (30 Prozent; Deutschland: 31 Prozent). Für Waren gab die gesetzliche Krankenversicherung pro Kopf 1.140 Euro aus. Davon wurden zwei Drittel für Arzneimittel verwendet und 17 Prozent für sonstigen medizinischen Bedarf, der unter anderem Blutprodukte sowie ärztliches und pflegerisches VerbrauchsmateriaI umfasst. Rund 14 Prozent der Ausgaben für Waren erfolgten für Hilfsmittel wie beispielsweise Seh- und Hörhilfen. Der Ausgabenanteil der Unterposition „Zahnersatz“ lag bei 3,2 Prozent. Für pflegerische und therapeutische Leistungen gab die gesetzliche Krankenversicherung je versicherte Person 868 Euro aus (Anteil an den Gesamtausgaben: 23 Prozent; Deutschland: 22 Prozent). Davon entfällt der Großteil auf pflegerische Leistungen und therapeutische Leistungen (60 bzw. 38 Prozent). Einen deutlich geringeren Anteil hatten Mutterschaftsleistungen (2,1 Prozent). Für die übrigen Leistungsarten „Prävention und Gesundheitsschutz“, „Unterkunft und Verpflegung“, „Transporte“ und „Verwaltungsleistungen“ errechnen sich zusammen Pro-Kopf-Ausgaben von 590 Euro (Anteil an den Gesamtausgaben: 16 Prozent, Deutschland: ebenfalls 16 Prozent).

Leistungsart

Mio. EUR 

EUR je versicherte Person

Prävention und Gesundheitsschutz

379

108

     Allgemeiner Gesundheitsschutz

124

35

     Gesundheitsförderung

114

32

     Früherkennung von Krankheiten

108

31

     Gutachten/Koordination

33

9

Ärztliche Leistungen

4.223

1.207

     Grundleistungen

1.139

325

     Sonderleistungen

2.280

652

     Laborleistungen

419

120

     Strahlendiagnostische Leistungen

387

110

Pflegerische und therapeutische Leistungen

3.037

868

     Pflegerische Leistungen

1.812

518

     Therapeutische Leistungen

1.162

332

     Mutterschaftsleistungen

64

18

Unterkunft und Verpflegung

589

168

Waren

3.988

1.140

     Arzneimittel

2.634

753

     Hilfsmittel

546

156

     Zahnersatz (Material-/Laborkosten)

129

37

     Sonstiger medizinischer Bedarf

679

194

Transporte

445

127

Verwaltungsleistungen

656

187

Insgesamt

13.317

3.806

Gesundheitsausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung 2023 nach Leistungsarten

Veränderung zu 2014 in Mio. EUR

( ) Veränderung zu 2014 in Prozent

© Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Von 2014 bis 2023 stiegen die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung insgesamt um 4,2 Milliarden Euro bzw. 46 Prozent (Deutschland: ebenfalls +46 Prozent). Die Ausgaben für ärztliche Leistungen erhöhten sich in diesem Zeitraum um 1,3 Milliarden Euro bzw. 44 Prozent. Bei den Waren betrug der Zuwachs 1,2 Milliarden Euro bzw. ebenfalls 44 Prozent. Für pflegerische und therapeutische Leistungen gab die gesetzliche Krankenversicherung 2023 rund 1,1 Milliarden Euro mehr aus als 2014 (+55 Prozent).

Fazit

Die Gesundheitswirtschaft ist von großer gesamtwirtschaftlicher Bedeutung. Die Branche trägt erheblich zur Wertschöpfung des Landes bei und bietet vielen Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzern einen Arbeitsplatz. Von 2014 bis 2024 wuchs die Gesundheitswirtschaft deutlich stärker als die Gesamtwirtschaft. In den Jahren 2021 und 2022 erzielte sie eine Bruttowertschöpfung auf Rekordniveau. Der Grund ist ein Sondereffekt in der Pharmabranche, die mit der Entwicklung und Produktion eines Impfstoffes einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Coronapandemie leistete.

Die meisten Beschäftigten des Gesundheitswesens arbeiten in ambulanten Einrichtungen sowie in stationären und teilstationären Einrichtungen. Das Gesundheitspersonal besteht zu drei Vierteln aus Frauen und das Arbeiten in Teilzeit ist im Gesundheitswesen weit verbreitet. Jedoch gibt es bezüglich des Frauenanteils und der Bedeutung von Teilzeitarbeit große Unterschiede zwischen den Einrichtungsarten.

Die Gesundheitsausgaben nahmen in den vergangenen Jahren deutlich zu. Den mit Abstand größten prozentualen Anstieg verzeichnete die soziale Pflegeversicherung. Besonders hoch fielen die Ausgabensteigerungen während der Coronapandemie aus, wovon die öffentlichen Haushalte am stärksten betroffen waren.

Mehr als die Hälfte der Gesundheitsausgaben tätigt die gesetzliche Krankenversicherung. Der Großteil dieser Ausgaben erfolgt für Waren wie beispielsweise Arzneimittel, für ärztliche Leistungen sowie für pflegerische und therapeutische Leistungen.

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